Aktuelles rund um die Akademie Fresenius

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Allheilmittel nicht in Sicht, gemeinsame länderübergreifende Anstrengungen sind Pflicht: Internationale Fresenius-Konferenz diskutierte Strategien zur Bekämpfung der Antibiotika-Resistenz

Mehr als die Hälfte der in Europa eingesetzten Antibiotika werden Tieren verabreicht. Folge ist die zunehmende Antibiotika-Resistenz von Krankheitserregern, eine der größten und drängendsten Herausforderungen für die Tierfutterindustrie. Die Akademie Fresenius hatte ihre sechste internationale Tierfutter-Konferenz ganz auf die Bekämpfung der Antibiotika-Resistenz (Antimicrobial Resistance, AMR) ausgerichtet. Für die zweitägige Tagung am 20. und 21. März in Bonn hatte sie hochrangige Vertreter aus Forschung und Industrie sowie von der Europäischen Kommission und der Europäischen Lebensmittelbehörde EFSA gewinnen können.

Direkt von Vertretern aus Brüssel erhielten die Teilnehmer einen Überblick über die Pläne und Anstrengungen der EU Kommission zur Bekämpfung der Antibiotika-Resistenz. Anschließend berichteten Experten über Eindämmungsstrategien und die Regelung des Antibiotika-Einsatzes in Belgien, Dänemark und Spanien. Außerdem auf der Agenda: Möglichkeiten des Antibiotika-Ersatzes durch Probiotika und neue Ansätze für die Sicherheitsbewertung von Futterzusätzen.

EU will „Best Practice Region“ werden

Nach Schätzungen der EU-Kommission sterben jedes Jahr mindestens 25.000 Menschen, weil sie gegen Antibiotika resistent sind. Die Antibiotika-Resistenzen verursachen pro Jahr rund 1,5 Milliarden Euro an Gesundheitskosten und Produktivitätsverlusten. Die EU hat zur Bekämpfung des Problems einen Aktionsplan verabschiedet, um Forschung und länderübergreifende Zusammenarbeit zu fördern. So soll Europa zur „Best Practice Region“ in der Bekämpfung der Antibiotika-Resistenz werden. Koen van Dyck von der Generaldirektion Gesundheit und Lebensmittelsicherheit der EU Kommission, stellte die genauen Ziele des Plans und erste Ergebnisse vor. Er stellte fest, dass die europaweite Gefahr der Antibiotika-Resistenz vor allem deshalb zum Handeln zwinge, weil große Unterschiede zwischen den EU-Mitgliedstaaten hinsichtlich Aufmerksamkeit, Maßnahmen und Strategien bestehen. Eine der wichtigsten Aufgaben sei deshalb der Ausbau der länderübergreifenden Zusammenarbeit. 

DART 2020: Deutschland setzt auf sektorenübergreifenden Ansatz

Für Deutschland hat das Bundesministerium für Gesundheit 2015 gemeinsam mit den Bundesministerien für Ernährung und Landwirtschaft sowie Bildung und Forschung die Deutsche Antibiotika-Resistenzstrategie „DART 2020“ erarbeitet. Sie wurde im Mai 2015 vom Bundeskabinett verabschiedet. Das Strategiepapier bündelt Maßnahmen und stellt die sektorübergreifende Zusammenarbeit (One-Health-Ansatz) in den Vordergrund. Um diesem One-Health-Ansatz gerecht zu werden, adressieren alle Ziele der DART 2020 Human- und Veterinärmedizin gleichermaßen. Anke Schröder vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft stellte diesen Ansatz auf der Konferenz detailliert vor. Sie sieht erste Erfolge dieser Bemühungen. Dennoch müssten Konzepte und Maßnahmen konsequent weiterentwickelt und ausgebaut werden. Die Erkenntnis, dass die Gesundheit von Menschen und Tieren bei Infektionskrankheiten eng miteinander verwoben ist, sei richtungsweisend für alle zukünftigen Maßnahmen und Aktivitäten. „Die Eindämmung von Antibiotika-Resistenzen verlangt den sektorenübergreifenden Ansatz. Wir können nur erfolgreich sein, wenn wir international eng zusammenarbeiten und den „Globalen Aktionsplan“ der WHO unterstützen“, so Schröder abschließend. 

Vorzeigeland Dänemark: Gemeinsame Bemühungen von Industrie und Behörden. Aktuell steht Reduzierung des Colistin-Einsatzes im Fokus

In der EU wird vor allem Dänemark als Vorreiter im Kampf gegen Antibiotika-Resistenz angesehen. Das Europäische Lebensmittel- und Veterinäramt (FVO) empfiehlt zahlreiche Aspekte der Maßnahmen, die in Dänemark zur Förderung der umsichtigen Verwendung von Antibiotika bei Tieren durchgeführt werden, anderen Mitgliedstaaten als „nachahmenswerte Beispiele“. Poul Bækbo vom Dänischen Forschungszentrum für Schweinezucht (SEGES) zeigte auf, welche Anstrengungen das Land in den letzten 25 Jahren unternommen hatte. Dazu zählt das Verbot des Einsatzes von Antibiotika zur Wachstumsförderung im Jahr 1998 ebenso wie der freiwillige Verzicht der Industrie auf Einsatz des Breitband-Antibiotikums Celaphalosporin. 2014 hatte sich der Einsatz des Antibiotikums Tetracyclin stark reduziert. Aktueller Fokus liegt in Dänemark auf der Reduzierung des Gebrauchs von Colistin, das zur Behandlung von Darmerkrankungen eingesetzt wird. 

Poul Bækbo sieht vor allem in der Kombination von gesetzlichen Vorgaben und Initiativen der Industrie ein Erfolgsmerkmal. So brauche die Industrie aktuelles Wissen und auch Zeit, um Nahrung und Fütterungsmethoden anpassen zu können.

China bald Vorreiter?

Auch Reiner Sijtsma vom niederländischen Tierfutterproduzenten Nutreco glaubt, dass Antibiotika-Resistenz nur ein integrierter Ansatz, der alle Beteiligten in der Wertschöpfungskette einbezieht, wirkungsvoll bekämpfen kann. Die Genforscher seien aufgefordert, mehr und robustere Tiere zu züchten. Die Futtermittelindustrie müsse innovative Nahrungsmittel entwickeln. Gesundheitsforscher müssten dazu beitragen, die Resilienz der Tiere durch Impfstoffe und Verbesserung der Darmgesundheit zu stärken. Aufgabe der Bauern sei es, die Hygiene zu verbessern und die biologische Sicherheit (Biosecurity) auf den Höfen zu erhöhen. Sijtsma ist überzeugt: Die Antibiotika-Resistenz ist reversibel. Er verwies auf Erfolge in den Niederlanden, wo die Verbreitung des Multiresistenten E.coli-Keimes zurückgegangen ist. Außerdem verwies er auf Erfolge in China und stellte sich und den Konferenzteilnehmern die Frage, ob nicht sogar China eine neue Führungsrolle im Kampf für die Reduzierung des Antibiotikaeinsatzes übernehmen könnte. 

Weitere Informationen erhalten Sie bei:

Die Akademie Fresenius GmbH

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Telefon  +49 231 75896-50
Telefax  +49 231 75896-53
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