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Auf der Suche nach einheitlichen Teststrategien: Internationale Akademie Fresenius-Konferenz diskutierte Risikobewertung chemischer Gemische

Toxicity of Chemical Mixtures: Risk, Hazard and Exposure Assessment

Täglich sind Menschen beim Essen, Atmen und über Hautkontakte Mischungen verschiedenster Chemikalien ausgesetzt. Das sich daraus ergebende Gesundheitsrisiko hängt auch davon ab, ob sich die Wirkungen der verschiedenen Chemikalien im Gemisch kombinieren. Gerade die Risikobewertung von Stoffgemischen in Lebensmitteln ist eine der größten Herausforderungen für Analytik und Verbraucherschutz. Eine internationale Fachtagung der Akademie Fresenius am 29. und 30. Oktober in Köln bot einen Überblick über neueste Entwicklungen der Risikobewertung innerhalb und außerhalb Europas. 

Auf der Rednerliste standen neben Referenten der OECD und der EU-Kommission auch Vertreter der Forschungsinitiativen EuroMix (European Test and Risk Assessment Strategies for Mixtures) und EDC-MixRisk, bei der europäische Forscher vier Jahre lang zusammenarbeiteten, um die Auswirkungen von Mischungen hormonaktiver Stoffe besser zu verstehen. Ein eigener Tagungsordnungspunkt widmete sich der Risikokommunikation und der Frage, wie Experten die Erkenntnisse der Bewertung von Pestiziden allgemeinverständlich für die Öffentlichkeit kommunizieren können. 

EFSA: Öffentliche Konsultation zur kumulativen Risikobewertung von Pestiziden bis Mitte November 2019

Bruno Dujardin von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) gab einen Überblick über aktuelle Ansätze der EU-Kommission und der EFSA zur Risikobewertung von Stoffgemischen. Aktuell führt die EFSA eine öffentliche Konsultation zu zwei Pilotbewertungen von Risiken durch Pestizide in Lebensmitteln durch. Während bei der ersten Bewertung die chronischen Auswirkungen auf das Schilddrüsensystem untersucht werden, bezieht sich die zweite Bewertung auf die akuten Auswirkungen auf das Nervensystem. Die Bewertungsentwürfe bilden den Abschluss einer mehrjährigen Zusammenarbeit zwischen der EFSA und dem niederländischen nationalen Institut für die öffentliche Gesundheit und die Umwelt (RIVM). Für beide Risikobewertungen kommt die EFSA zu dem Schluss, dass das Risiko einer ernährungsbedingten kumulativen Exposition für Verbraucher unter dem Schwellenwert liegt, der Regulierungs-Maßnahmen für alle relevanten Bevölkerungsgruppen auslöst. Das Konsultationsverfahren läuft bis zum 15. November 2019.

Kanadischer Ansatz rückt Toxitätsmechanismen in den Fokus

Katie Calp von der Regulierungsbehörde für Pflanzenschutzmittel in Kanada stellte den Bewertungsrahmen ihres Landes für Stoffgemische vor. Grundsätzlich entspricht er den Ansätzen in anderen Ländern. Er legt den Fokus auf Pestizide, die gemeinsame Toxizitätsmechanismen aufweisen – anders als zum Beispiel der Ansatz der EFSA, der gemeinsame toxische Effekte berücksichtigt. Der Bewertungsrahmen umfasst auch Pestizide, die auf importierten Nahrungsmitteln vorhanden sein können, auch wenn sie nicht in Kanada registriert sind.

Leitfaden fasst Erkenntnisse der OECD zusammen

Takaaki Ito aus Japan stellte einen Leitfaden für die Untersuchung kombinierter Expositionen vor, den die OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) im Dezember 2018 veröffentlicht hat. Das Dokument dokumentiert die zwei gängigen Ansätze zur Bewertung von Pestizid-Kombinationen: den „Whole Mixture Approach“ (WMA), der das Gemisch als Ganzes analysiert, und den „Component Based Approach“ (CBA), der die Bestandteile einzeln betrachtet. Ito betonte, dass mit den verschiedenen Ansätzen zur Risikobewertung eine Reihe von Einschränkungen und Unsicherheiten verbunden seien. Es gelte, die Verfahren zu verbessern, Erfahrungen zu sammeln und wichtige Erkenntnislücken und Unsicherheiten während der Anwendung zu identifizieren.

Aufklärung und toxikologisches Grundwissen sollen helfen, Vorbehalte gegen Entscheidungen der Risikobewertung abzubauen

Gerade die Unsicherheiten in Risikobewertungsverfahren sorgen bei Verbrauchern, wenn sie über Berichte zur Risikobewertung von Pestiziden lesen, für Verunsicherung. Umso wichtiger ist transparente und verständliche Kommunikation. Dass Kommunikation zwischen den Risikobewertungsspezialisten in Politik, Behörden und Unternehmen und der allgemeinen Bevölkerung so schwierig ist, liegt auch an der unterschiedlichen Wahrnehmung von Risiken, wie Michael Siegrist von der ETH Zürich herausstellte: Experten gehen analytisch vor, Laien urteilen dagegen zumeist durch Mutmaßungen und eigene Erfahrungen. So gibt es eine große Verständnislücke: Experten betrachten die Urteile der Laien als irrational, Laien sehen die Arbeiten der Experten oft als irrelevant für das eigene Urteil. Der „Natürlichkeit“ von Produkten messen Laien einen großen Stellenwert bei, bei der Beurteilung von Chemikalien unterliegen sie oft Irrtümern und Fehleinschätzungen. Umso wichtiger sei gerade bei Themen wie der Risikobewertung toxischer Stoffgemische die Förderung der Vermittlung toxikologischen Grundwissens. Das könne helfen, einer „Chemophobie“ entgegenzutreten.

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