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Biodiversität und Tierschutz: Konferenz der Akademie Fresenius diskutierte neue Anforderungen an Risikoabschätzung von Pflanzenschutzmitteln

Am 5. und 6. Dezember 2019 lud die Akademie Fresenius zur 19. Internationalen Fachkonferenz „Aquatic and Terrestrial Ecotoxicology and Risk Management“ nach Köln. Hochrangige Experten aus Europa und Kanada diskutierten das Gefahrenpotential von bestehenden oder neuen Umweltchemikalien für das Ökosystem. Im Mittelpunkt vieler Vorträge und Diskussionen standen Forderungen nach höheren Auflagen an die Umweltverträglichkeitsprüfung zur Berücksichtigung der Artenvielfalt und zur Vermeidung von Tierversuchen.

Christopher John Topping von der Universität Aarhaus übte scharfe Kritik an der gängigen Bewertungs- und Zulassungspraxis für Pflanzenschutzmittel in der EU: „Was läuft schief, wenn es einerseits stringente Richtlinien für die Umweltrisikoprüfung gibt und andererseits Pestizide Schaden anrichten können?“, fragte er sich und kam zu dem Schluss, dass die gängigen Verfahren zur Umweltrisikoeinschätzung systemischer und ganzheitlicher ausgerichtet werden müssen. 

Gefordert: Paradigmenwechsel und ganzheitliche Ausrichtung 

Topping forderte einen Paradigmenwechsel und Veränderungen auf mehreren Ebenen. Zum Beispiel müssten multiple Stressoren stärker in die Betrachtung einbezogen werden und die Zulassung für einzelne Pestizide eher für kleinere Regionen als für ganze Staaten erfolgen. Dieser systemische Ansatz zur Risikobewertung würde den Risikomanagern wichtige Informationen über Risikominderungsmaßnahmen liefern und zudem Hinweise geben, wie sich eine Reduzierung des Wirkstoffeinsatzes unter agronomischen und sozioökonomischen Gesichtspunkten auswirken würde. Insgesamt könnte der systemische Ansatz, der die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln stärker auf den tatsächlichen Anwendungskontext beziehen würde, zu transparenteren Entscheidungen im Risikomanagement führen, so Topping.

Umweltbundesamt fordert neue Wege beim Schutz der Artenvielfalt vor den Auswirkungen des Pestizideinsatzes

Jörn Wogram erläuterte die Vorschläge des Umweltbundesamtes, Auswirkungen auf die Artenvielfalt (Biodiversität) stärker in die Zulassungsverfahren einzubeziehen. Aktuelle Risikoprüfungsverfahren seien blind für die Auswirkungen auf die Ackerkräuter auf einem Feld, die als Nahrungsgrundlage für Insekten und Feldvögel dienten. Somit könnten die Effekte, die ein Pflanzenschutzmittel auf das gesamte Ökosystem eines Gebietes ausübt, nicht vollständig erfasst werden. Noch gebe es keine klare Antwort auf die Frage, wie Pflanzenschutz so verändert werden könne, dass sich die biologische Vielfalt in einem Kulturpflanzenbestand wiederherstellen ließe. Deshalb müssten beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln als Ausgleich alternative Lebensräume für Pflanzen und Tiere auf Agrarflächen geschaffen werden. „Wenn herkömmliche Methoden der Risikominderung nicht greifen, müssen wir für Rückzugsflächen sorgen““, so Wogram. 

Agrargenossenschaft Trebbin: Maßnahmen für Biodiversität und produktive Landwirtschaft 

Wie sich Ausgleichsmaßnahmen zum Schutz der Biodiversität umsetzen und trotzdem ein hohes Maß an produktiver Fläche für die Landwirte erhalten lassen, zeigte Thomas Gäbert am Beispiel der Agrargenossenschaft Trebbin. Zu den Maßnahmen zählen Etablierung von mehrjährigen, artenreichen Blühmischungen, Nisthilfen für Sing- und Sitzstangen für Greifvögel sowie die Schaffung von vielfältigen Bruthabitanten durch offene Bodenstellen wie Sandwege und Brachen aber auch angelegte vertikale Abbruchkanten. Seit 2016 hat die Genossenschaft auf 15 Hektar insgesamt etwa 50 verschiedene Pflanzenarten etabliert, die Nahrung und Lebensraum für Insekten, Vögel und Niederwild bieten. Mit beachtlichem Erfolg – so hat sich zum Beispiel der Kiebitz wieder angesiedelt. 

Bessere Datengenerierung – Tierversuche vermeiden

Die EU will Endokrine Disruptoren (ED) – umgangssprachlich oft „Umwelthormone“ genannt – strenger regulieren. Dazu hat sie im November 2018 eine Strategie verabschiedet und will die Rechtsvorschriften über Endokrine Disruptoren einer Eignungsprüfung unterziehen. Ursula von der Leyen hat in ihrem Programm für die neue EU-Kommission explizit den Schutz der Bevölkerung vor Endokrinen Disruptoren hervorgehoben. Experten rechnen damit, dass strengere Anforderungen an die Risikoprüfung auf Endokrine Disruptoren zu einem spürbaren Anstieg der Zahl der Tierversuche führen kann, wenn nicht die Entwicklung und Umsetzung von alternativen Methoden vorangetrieben wird. Das fürchtet auch Natalie Burden vom Nationalen Zentrum für Ersatz, Verbesserung und Reduzierung von Tierversuchen. (National Centre for the Replacement, Refinement and Reduction of Animals in Research NC3Rs). Forschung und Zulassungsverfahren könnten aber mit weniger Tierversuchen auskommen, wenn verfügbare Daten besser genutzt und Extrapolierungstechniken stärker als bisher zum Einsatz kämen: „Es besteht die Möglichkeit, obligatorische Tests zu reduzieren oder zu verfeinern und den Nutzen alternativer Ansätze in allen Sektoren und Endpunkten zu untersuchen“, so Natalie Burden.

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