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Der Anwenderschutz im Fokus der Risikoabschätzung

Fünfte internationale Fresenius-Konferenz diskutierte Vorgaben und Ansätze zur Expositionsabschätzung für Pflanzenschutzmittel

Die fünfte internationale Fresenius-Konferenz „Worker, Operator, Bystander and Resident Exposure and Risk Assessment“ diskutierte am 6. und 7. Dezember in Mainz aktuelle Fragen zu Regulierung, biologischer Überwachung und Risikominderung. 

Die Veranstalter hatten renommierte Experten aus deutschen und europäischen Behörden sowie aus Übersee, der Forschung und der Industrie gewinnen können. Aktuelle Rechtsfragen in der Europäischen Union wurden ebenso beleuchtet wie Expositionsbewertungen für epidemiologische Studien. Außerdem wurden aktuelle Vorgaben für die Kennzeichnung von Pflanzenschutzmitteln durch ISO- und EN-Normen diskutiert. 

Von BREAM zu BREAM3

Clare Butler Ellis vom Forschungsinstitut Silsoe Spray Applications Unit (Bedford/Großbritannien) berichtete über Weiterentwicklungen des von der britischen Regierung finanzierten BREAM2-Modells (BREAM = Bystander and Resident Exposure Assessment Model). BREAM2 berechnet die Exposition von Pestizid-Sprühnebel auf Anwohner und Zuschauer. 

Als Weiterentwicklung von BREAM macht das Modell genauere Aussagen zum Zusammenhang zwischen Sprühnebel in der Luft und potenzieller Hautexposition. Auch die Leitlinien der Europäischen Lebensmittelbehörde nehmen auf BREAM Bezug. Ellis empfiehlt der EFSA, das neue BREAM2-Modell zu verwenden, um verlässlichere Daten zu generieren. 

Ellis gab auch einen Ausblick auf die nächste Generation des BREAM Modells (BREAM3). Dieses Modell könnte Vorteile durch technologische Neuerungen der Sprühgeräte einbeziehen: zum Beispiel Düsen, die 75 Prozent Abdriftreduzierung erzeugen, bessere Kontrolle der Auslegerhöhe oder die Effekte durch unterschiedliche Ernte-Überdachungen.

Globales Dilemma für die Risikoabschätzung: Pestizidanwendungs-Praktiker von Kleinbauern werden von Datenbanken nicht angemessen angesprochen

Die reale Situation, mit der Kleinbauern als Betreiber konfrontiert sind, ist eine Herausforderung bei der Bestimmung des akzeptablen Risikos bei der Verwendung typischer Pflanzenschutzmittel, betonte Curt Lunchick. Er ist bei der Bayer Crop Science Division and Bayer Animal Health in den USA für die Bewertung häuslicher und berufsbedingter Exposition und Risiken verantwortlich. 

Die FAO definiert Kleinbauern als Landwirte mit 2 ha Land oder weniger und sechzig Prozent der landwirtschaftlichen Produktion auf der Welt werden von Kleinbauern erbracht. Diese haben oft nur unzureichende finanzielle Möglichkeiten und oft auch zu wenig Wissen, um Pflanzenschutzmittel richtig und sicher anzuwenden. „Wir möchten zwar die Exposition für Kleinstlandwirte genau abschätzen, doch sind die derzeit verfügbaren Daten zur Betreiberexposition möglicherweise nicht repräsentativ für die Anwendungsmethode, die von Kleinbauern außerhalb von Nordamerika und der Europäischen Union verwendet wird“, brachte Lunchick das Dilemma auf den Punkt. Oft werde Pflanzenschutzmittel mit unzureichender Schutzkleidung und ohne Schutz von Armen und Händen versprüht oder verteilt. Das ist ein Aufklärungsproblem. Anwender müssen auf Gefahren und Anforderungen an richtige Anwendung hingewiesen werden. 

Dieses wenig akzeptable Verhalten stellt aber auch die Planer und Entwickler von Expositionsbewertungen vor Probleme: „Manchmal konzentrieren wir uns auf das falsche Ziel“, stellt Lunchick selbstkritisch fest. Er nannte ein Beispiel in Indien. Dort hatten sich die Behörden auf Expositionsbereiche an den Füßen konzentriert, weil viele Landarbeiter nur mit Sandalen oder barfuß arbeiten. Tatsächlich verteilten sich aber 40 bis 50 Prozent der gemessenen Exposition, die bei der Nicht-Benutzung von Rucksäcken gemessen wurde, am Rücken. Ursache waren höchstwahrscheinlich Rückstände auf dem Sprühgerät. „Wir erkennen immer mehr die Kluft, die zwischen unseren Leitfäden und Anleitungen und der Praxis der Kleinbauern liegt. Der Schutz von Kleinbauern hat für die Industrie eine hohe Priorität und wir unternehmen jetzt Schritte, um die Faktoren zu verstehen, die hinter dieser Divergenz stehen“, verspricht Curt Lunchick im Namen der Industrie.

In der Diskussion: Nutzen epidemiologischer Studien für die Risikoabschätzung

Antonio F. Hernández-Jerez von der Universität Granada (Spanien), diskutierte die Vor- und Nachteile epidemiologischer Studien in der Risikobewertung von Pflanzenschutzmitteln. Den Vorteilen, tatsächliche Belastungen zu untersuchen und nicht auf Extrapolationen angewiesen zu sein, stehen oft eine unzureichende Charakterisierung der Exposition und ungeeignete Studiendesigns gegenüber. Hernández-Jerez ist dennoch überzeugt, dass epidemiologische Studien gewinnbringend für die Gefahrenermittlung von Pestiziden eingesetzt werden können: „Die biologische Plausibilität kann Vermutungen über den epidemiologischen Zusammenhang zwischen Pestizidbelastung und komplexen Krankheiten unterstützen.“ 

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