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Der Kampf gegen Mineralöl-Rückstände muss die gesamte Lieferkette im Blick haben

Rückstände von Mineralölprodukten, die durch die Verpackungen in Lebensmittel gelangen, beunruhigen viele Verbraucher und stellen die Industrie vor Probleme. Abhilfe soll jetzt die neue so genannte Mineralölverordnung schaffen, welche die Bundesregierung auf den Weg gebracht hat. Anfang März 2017 haben Länder und Verbände den Entwurf der Verordnung zur Stellungnahme erhalten. Wenige Tage später, am 28. und 29. März, widmete sich die Akademie Fresenius mit einer internationalen Fachkonferenz in Düsseldorf dem Umgang mit Mineralöl-Rückständen und synthetischen Kohlenwasserstoffen in Lebensmitteln. Zahlreiche Experten aus Industrie, Analytik und Behörden betonten die Bedeutung des Themas, den Handlungsdruck für Industrie und Behörden und die Notwendigkeit für mehr Forschung und Analytik, um das komplexe Thema in den Griff zu bekommen.

Durch Lebensmittelverpackungen aus Altpapier, das zum Beispiel Druckschwärze enthält, können Mineralölkohlenwasserstoffe (MOSH = Mineral Oil Saturated Hydrocarbons und MOAH = Mineral Oil Aromatic Hydrocarbons) in Lebensmittel gelangen. MOSH und MOAH werden leicht aus Lebensmitteln in den Körper aufgenommen; MOSH reichern sich im Körperfett und in Organen wie Milz oder Leber an. Der Mineralöl-Verordnungsentwurf soll Hersteller verpflichten, Lebensmittel in Recyclingkartons durch geeignete Innenbeutel oder Beschichtungen mit Barrierenwirkung auf dem Karton zu schützen. 

MOSH und MOAH in der Lieferkette allgegenwärtig

Funktionelle Barrieren wie Innenbeutel oder Folien schaffen das Problem nicht gänzlich aus der Welt. Es gibt allerdings noch viele andere Ursachen und Möglichkeiten für den Übergang von Mineralölprodukten auf Lebensmittel, z.B. von Schmierölen, Trennölen, Reinigungsmitteln, aber auch aus der Umwelt. Reinhard Matissek, Leiter des Lebensmittelchemischen Instituts (LCI) des Bundesverbands der Deutschen Süßwarenindustrie in Köln, forderte auf, immer die gesamte Lebensmittelkette zu berücksichtigen. Spuren von MOSH und MOAH seien in dieser Kette allgegenwärtig. Während sich Experten, die sich mit Mineralölrückständen in Lebensmitteln befasst haben, anfänglich vor allem auf die verpackten Endprodukte in den Supermarktregalen konzentriert haben, kommen nun immer mehr mögliche Eintrittspunkte während Transport und Lagerung in den Blick. Zum Beispiel Transportcontainer oder Jutesäcke, in denen Rohstoffe befördert werden. So berichtete Lionel Spack vom Nestlé Quality Assurance Center, dass das Lebensmittelunternehmen mit den Zulieferern von Kakao und Kaffee in den Herkunftsländern zusammenarbeite, um die Qualität der Jutesäcke zu verbessern oder diese gegen andere Gebinde auszutauschen. Allerdings sei in den letzten 20 Jahren schon viel unternommen worden; die Konzentrationen in den Lebensmitteln seien tiefer als noch in den 1990iger Jahren.

Erkenntnisse aus Tierversuchen zu den MOSH

Konrad Grob vom Kantonalen Labor Zürich berichtete von Versuchen, in denen die Wirkung von MOSH in Ratten getestet wurde und verglich diese Resultate mit Befunden in menschlichen Geweben. Als wichtigstes Ergebnis zeigte sich, dass die bisher aus Tierversuchen abgeschätzten MOSH-Konzentrationen in menschlichen Organen um einen Faktor 100-1000 unterschätzt worden sei, vor allem weil sich bestimmte MOSH über einen langen Zeitraum (möglicherweise lebenslänglich) anreichern. Bei den hohen Konzentrationen in menschlicher Leber und Milz zeigten sich in der Ratte Gewichtserhöhungen der Organe, was Grob als Reaktion auf eine Schädigung wertete. Er hält es deswegen für möglich, dass die bisherige Mineralölbelastung für gewisse Menschen zu einer schleichende Beeinträchtigung von Organen geführt hat und empfiehlt deswegen tiefere Grenzwerte für kritische Mineralölprodukte als sie heute gelten.

Druck auf Hersteller steigt 

Matthias Wolfschmidt von der Verbraucherschutz-Organisation Foodwatch berichtete über Ergebnisse der Kampagnen, mit denen Foodwatch und andere NGOs gegen die Verunreinigung von Lebensmitteln durch Mineralöl kämpfen. Er verzeichnet Erfolge für die Kampagnen, die sie seit 2015 organisierten: Das Thema sei nun auf der Agenda von Politik, Medien und Industrie. So hätten zum Beispiel „nahezu alle französischen Supermärkte sich im vergangenen Jahr zu klaren Anforderungen für ihre Zulieferer bekannt.“ Händler in Holland und Deutschland würden dem Beispiel folgen. 

Wolfschmidt richtete zudem einen Appell an die Adresse der Lebensmittelhersteller: Ohne Zweifel sei die Aufgabe, mineralölfreie Verpackungen und Lebensmittel herzustellen, komplex. Nichtsdestotrotz hätten viele Produkte mit wenig oder gar keinen messbaren MOSH und MOAH gezeigt, dass diese Aufgabe lösbar sei. Für alle Verunreinigungsquellen gebe es passende Tools zur Reduzierung: „Die technischen Lösungen zur Vermeidung der Migration von Mineralölrückständen auf Lebensmittel stehen bereit.“ 

Beispiel COOP in Dänemark: Der Lebensmittelhandel ist sensibilisiert

Malene Teller Blume, Qualitätsmanagerin bei COOP Danmark, Dänemarks größter Lebensmittelkette, berichtete über eigene Bemühungen und Entscheidungen, bestimmte Lebensmittel mit problematischen Verpackungen aus dem Sortiment zu nehmen. Erfahrungen hat COOP bereits mit der Verbannung von Mikrowellen-Popcorn-Verpackungen, die einen zu hohen Gehalt an perfluorierten Chemikalien (PFC) aufwiesen. Diese Aktion hat, wie Malene Teller Blume berichtete, Aufmerksamkeit und positive Berichterstattung beschert. Auch das Problem der Mineralölrückstände hat COOP als Herausforderung erkannt. Hier wünscht sich das Unternehmen mehr Klarheit und Regelung durch nationale und europäische Gesetzgeber. 

+++ Zusatz-Termin im Herbst 2017 +++

International Fresenius Conference

Residues of Mineral Oil and Synthetic Hydrocarbons in Food

7. und 8. November 2017 in Düsseldorf

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