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Endokrine Disruptoren: Internationale Fresenius-Konferenz diskutierte Testmethoden und gesetzliche Regelungen innerhalb und außerhalb Europas

Die Wirkungen endokriner Disruptoren – Chemikalien, die das Hormonsystem angreifen können – stehen seit einiger Zeit in der Diskussion. Nun haben sich im Juli dieses Jahres die EU-Mitgliedsstaaten auf einen Vorschlag der Europäischen Kommission zur Bestimmung endokriner Disruptoren im Zusammenhang mit Pflanzenschutzmitteln und Biozidprodukten geeinigt. Was heißt das für Verbraucher, Anwender und die Pflanzenschutzmittelindustrie? Antworten suchte die internationale Konferenz „Endocrine Disruptors“ der Akademie Fresenius am 29. und 30. November in Köln. Dazu hatten die Veranstalter hochranginge Experten der Industrie, EU Kommission, der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und der US-Umweltbehörde (Environmental Protection Agency / EPA) gewinnen können.

Die internationale Fresenius-Konferenz vermittelte einen Überblick über die Rechtslage und die unterschiedlichen Standpunkte in den verschiedenen Branchen, Anwendungsgebieten und Mitgliedstaaten. Im Mittelpunkt der Vorträge stand neben aktuellen Berichten aus Brüssel auch die Diskussion neuer Testmethoden und Berechnungsverfahren.

Laura Fabrizi von der Europäischen Kommission fasste den aktuellen Stand der Regulierungsbemühungen der Kommission für den Umgang mit endokrinen Disruptoren im Zusammenhang mit Bioziden und Agrochemikalien zusammen. Die wissenschaftlichen Kriterien für die Bestimmung endokriner Disruptoren treten am 7. Dezember in Kraft und werden ab dem 7. Juni 2018 angewendet. Auf der Tagung des Ständigen Ausschusses für Pflanzen, Tiere, Lebensmittel und Futtermittel am 12. und 13. Dezember werden die Kriterien zur Diskussion und Abstimmung gestellt. Für Fabrizi nimmt die Europäische Kommission eine Vorreiterrolle ein: Zum ersten Mal werden weltweit Kriterien für die Identifizierung endokriner Disruptoren zu regulatorischen Zwecken festgesetzt. Der Leitlinienentwurf für die Identifizierung endokriner Disruptoren im Kontext der EU Regulierung von Bioziden und Pestiziden, der von den EU Behörden ECHA und EFSA mit Unterstützung des EU Joint Research Centers entwickelt wird, wird am 7. Dezember 2017 zur Öffentlichkeitsbefragung freigeben.

Überarbeitete Fassung des OECD Leitliniendokuments zu Endokrinen Disruptoren erscheint 2018

Wichtige Entscheidungshilfe für Wissenschaftler und Behörden bei der Prüfung von Chemikalien auf endokrine Störungen ist der Leitfaden 150, den die OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) 2012 entwickelt hat. Die OECD hat dazu eine Vorgangsweise (Conceptual Framework) zur Bewertung von endokrinen Disruptoren auf fünf verschiedenen Ebenen definiert. Der Leitfaden soll eine flexible Auslegung im Kontext verschiedener Rechtsvorschriften, Politiken und Praktiken ermöglichen. Dazu empfiehlt und beschreibt der Leitfaden Testmethoden und trägt zur Harmonisierung der Anforderungen an Tests auf zwischenstaatlicher Ebene bei. In diesem Jahr ist das Dokument überarbeitet worden. Eine neue Fassung wird 2018 erscheinen. Auf der Fresenius-Tagung berichteten Patience Browne von der OECD und die britische Beraterin Jenny Odum über den aktuellen Stand der Überarbeitung und die Änderungen, die in der Neuauflage wirksam werden. Die neue Fassung wird zahlreiche neue Analyseansätze aufnehmen. Patience Browne wies darauf hin, dass eine Vielzahl neuer Testverfahren das Verständnis für die Wirkung endokriner Disruptoren erheblich verbessert habe. Gemeinsame Aufgabe der Staaten sei es nun, sicherzustellen, dass die neuen alternativen Ansätze kompatibel mit dem OECD-Beschluss über die gegenseitige Annahme von Daten für die Bewertung chemischer Stoffe (Mutual Acceptance of Data MAD) sind. 

SeqAPASS: Online-Tool der US-Umweltbehörde will Extrapolation von Ergebnissen über Artengrenzen hinweg erleichtern

Carlie A. LaLone von der US-amerikanischen Umweltbehörde EPA (Environmental Protection Agency) stellte auf der Fresenius-Tagung das Online-Screening Tool SeqAPASS (= Sequence Alignment to Predict Across Species Susceptibility) vor. Es soll Forschern und Behörden helfen, Informationen über Toxizität über Artengrenzen hinaus zu extrapolieren. Für einige Gattungen wie Mensch, Maus, Ratte und Zebrafisch verfügt die EPA über vielfältiges Datenmaterial zur Anfälligkeit für verschiedene Chemikalien. Für andere Pflanzen und Tiere liegen dagegen noch zu wenig Daten vor. SeqAPASS erlaubt die Extrapolation für von anderen Spezies zur Bewertung ihrer chemischen Anfälligkeit. Dazu bewertet SeqAPASS die Ähnlichkeiten von Aminosäuresequenzen und Proteinstrukturen, um zu identifizieren, ob ein Proteinziel (“protein target”) für eine chemische Wechselwirkung vorhanden ist. 

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