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Endokrine Disruptoren: Zehnte Internationale Akademie Fresenius-Konferenz diskutierte Umsetzung der neuen EU-Leitlinien zur Identifizierung endokriner Disruptoren

Die EU will endokrine Disruptoren (ED) – umgangssprachlich oft „Umwelthormone“ genannt – strenger regulieren. Dazu hat sie im November 2018 eine Strategie verabschiedet und will die Rechtsvorschriften über endokrine Disruptoren einer Eignungsprüfung unterziehen. Ursula von der Leyen hat in ihrem Programm für die neue EU-Kommission explizit den Schutz der Bevölkerung vor endokrinen Disruptoren hervorgehoben. Fachleute gehen davon aus, dass von knapp 100.000 bekannten chemischen Verbindungen bisher nur ein Bruchteil auf endokrin aktive, möglicherweise schädliche Wirkungen geprüft wurde. Auf der zehnten internationalen Konferenz der Akademie Fresenius „Endocrine Disruptors“ am 12. und 13. November in Frankfurt diskutierten Vertreter von EU-Behörden mit Wissenschaftlern und Experten der Industrie über den aktuellen Stand der Forschung und Gesetzgebung.

Die Teilnehmer und Referenten warfen einen Blick auf den Stand der Umsetzung der Leitlinien für die Identifizierung von endokrinen Disruptoren in Pestiziden und Bioziden, die 2018 verabschiedet worden sind. Außerdem berichteten Wissenschaftler über neue Testmethoden zum Nachweis von endokrinen Disruptoren bei im Wasser lebenden Wirbeltieren. Ein weiterer Tagungsblock widmete sich der Risikokommunikation und der Information der Öffentlichkeit über die Gefahren durch endokrine Disruptoren. 

In der Diskussion: Rechtsrahmen der EU

Maristella Rubbiani von der EU-Kommission in Brüssel stellte die Kriterien zur Identifizierung endokriner Disruptoren vor. Die Kriterien zur Anwendung bei Biozidprodukten gelten seit dem 7. Juni 2018. Die Kriterien zur Anwendung bei Pflanzenschutzmitteln sind seit dem 10. November 2018 in Kraft. Die Kommission wird die Rechtsvorschriften über endokrine Disruptoren erstmals einer umfassenden Überprüfung in Form einer Eignungsprüfung unterziehen, die sich auf die bereits erhobenen und ausgewerteten Daten stützt. Dabei wird die allgemeine wissenschaftsbasierte Herangehensweise der EU an das Management von Chemikalien nicht infrage gestellt, sondern bewertet, ob mit den geltenden Rechtsvorschriften der intendierte Schutz der menschlichen Gesundheit und der Umwelt erreicht wird. Teil der Eignungsprüfung wird auch eine öffentliche Konsultation sein. 

Susanne Smolka vom Pestizid-Aktions-Netzwerk PAN Germany fordert, dass die geplante Eignungs-Prüfung konkrete Vorschläge zur Schließung von Gesetzlücken macht und europaweit bessere Kontrollen ermöglicht. Die Klassifizierung potenzieller endokriner Disruptoren sei notwendig, um angemessene Risikomanagement-Maßnahmen einleiten zu können.

Pflanzenschutzmittelhersteller beklagen Aufwand und Verzögerungen

Andrew Adams von Bayer CropScience und vom Interessenverband der europäischen Pflanzenschutzindustrie ECPA beklagte den hohen Aufwand, den die europäische ED-Politik mit sich bringe. So könnten die EU-Kriterien „hunderte oder tausende von Tierversuchen erfordern“. Außerdem würden die Auflagen Verzögerungen bei der Zulassung von Stoffen und Chemikalien nach sich ziehen, die „weder der öffentlichen Gesundheit noch der Umwelt dienlich seien“. Der hohe bürokratische Aufwand würde dazu führen, dass „die eigentlich wichtigen Dossiers“ nicht angemessen im Fokus ständen, so Adams.

Gefragt: Aufklärung und solide Risikokommunikation

Weil endokrine Disruptoren zunehmend in den Schlagzeilen stehen und die Bevölkerung verunsichern, sind Wissenschaftler, Unternehmen und Politiker um so mehr gefordert, richtig, angemessen und verständlich über den aktuellen Stand der Forschung und die Risikolage zu berichten. Ein eigener Tagungsblock widmete sich deshalb der Risikokommunikation.

Gibt es biologische Erklärungen für scheinbar hormonverändernde Effekte?

Wie schwer die Einschätzung der Gefahren durch endokrine Disruptoren ist, zeigte Gerard Swaen, Professor für Epidemiologie an der Universität Maastricht. Endokrine Disruptoren werden oft als Ursache für Krankheiten und Fehlbildungen wie Hodenkrebs, vorzeitige Brustentwicklung und Frühgeburten interpretiert. Nach Swaens Ansicht kann es aber auch eine „einfache biologische Erklärung“ für den Anstieg dieser Krankheiten und Fehlentwicklungen geben: In Europa steigt die Zahl der Spätgebärenden und gleichzeitig nimmt die Durchschnittszahl der Geburten pro Mutter ab. Das Risiko, an Hodenkrebs zu erkranken, ist für Erstgeborene aber höher als für das dritte oder vierte Kind. Wenn also die Zahl der Hodenkrebserkankungen im Kindesalter ansteigt, kann dies auch an daran liegen, dass Frauen weniger Kinder gebären – und damit das statistische Risiko für jedes Kind ansteigt. „Aus epidemiologischer Sicht gibt es nur wenig Evidenz für Effekte durch endokrine Disruptoren, abgesehen von Effekten durch verbotene Chemikalien wie Polychlorierte Biphenyle (PCBs)“, so Gerard Swaen.

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