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Food Fraud: Mehr als nur die Spitze des Eisbergs bekämpfen

Internationale Konferenz der Akademie Fresenius diskutierte neue Ansätze, zur Überprüfung der Echtheit von Lebensmitteln

„Food Fraud“, die Fälschung von und der Betrug mit Lebensmitteln, ist angesichts weltweiter Lieferketten und immer komplexerer Verarbeitung eine der größten Herausforderungen für die Lebensmittelindustrie. Eine internationale Akademie Fresenius-Konferenz diskutierte am 24. und 25. Oktober in Frankfurt neue Analysemethoden, die im Labor und am Produktionsstandort eingesetzt werden können. Dazu berichteten Vertreter aus Prüflaboren, Überwachungsbehörden und aus internationalen Lebensmittelunternehmen wie Nestlé, General Mills und illycafé.

Direkt aus der Praxis referierten Unternehmensvertreter über Schnelltests zur Echtheitsprüfung von Kaffee und zur Identifizierung der Bestandteile von Fleischerzeugnissen. Außerdem diskutierten die Experten, mit welchen rechtlichen Schritten die Einzelstaaten und die EU auf die Zunahme von Lebensmittelbetrug reagieren können.

Schäden in Milliardenhöhe

Eine der häufigsten Metaphern auf den Folien und in den Vorträgen der Experten war der Eisberg: Zwar zeigen immer wieder Skandale um  nicht verkehrsfähiges Fleisch, unerlaubten Zusätzen zu Kaffee oder falsch deklarierte Gewürze, wie groß die Gefahr des Lebensmittelbetrugs für die Industrie, den Handel und die Verbraucher ist. Noch viel größer aber ist die Zahl der Verfälschungen, die gar nicht erkannt werden. Franz Ulberth, Leiter der Einheit zur Bekämpfung des Lebensmittelbetrugs bei der Gemeinsamen Forschungsstelle der EU (JRC) in Geel schätzt den Schaden durch Lebensmittelbetrug auf eine Summe zwischen zehn bis 50 Milliarden Euro pro Jahr. Nicht nur die Gesamtmenge, vor allem die Unterschiedlichkeit der Streckungen, Falschdeklarationen und Veränderungen von Lebensmitteln stellen Labore wie Behörden vor Herausforderungen. „Es gibt zu viele Verfälschungen, um kosteneffiziente Einzeltests durchführen zu können. Allerdings gibt es inzwischen Alternativen“, stellte Bert Pöpping, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens FOCOS, fest. Nicht nur die Vielzahl, auch das Tempo, mit der sich sowohl die Methoden der Fälscher wie die der Prüflabore und Wissenschaftler verändern, ist rasant: „Für diese neuen Methoden ist aber eine Standardisierung zwingend erforderlich,“ so Bert Pöpping.

Neuer Fokus gefordert: Gewährleistung der Authentizität statt Fahndung nach Fälschungen

Die hohe Komplexität und die Vielzahl der Unbekannten, nach denen Kontrolleure und Analytiker suchen müssten, erfordert für viele Experten ein Umdenken und neue Ziele. So macht es für Thomas Gude von Swiss Quality Testing Services (SQTS) mehr Sinn, „mit Prüfverfahren die Echtheit von Lebensmitteln zu gewährleisten, anstatt sie auf Lebensmittelbetrug zu untersuchen.“ So verschiebe sich zum Beispiel auf dem Feld der Lebensmittelkontaktmaterialien der Fokus immer mehr auf das „Non-Target-Screening“, um auch die sogenannten unabsichtlich eingebrachten Substanzen (Non Intentioanally Added Substances, NIAS) in die Überprüfungen einbeziehen zu können.

Wunderwaffe Blockchain?

Die Implementierung der Blockchain-Technologie verspricht spürbare Verbesserungen der Transparenz und Rückverfolgbarkeit von Lebensmittelverfälschungen und -manipulationen. Einfach ausgedrückt, Blockchain ist ein digitales Hauptbuch, das in der gesamten Lieferkette verwendet wird. Es dokumentiert alle Änderungen, die sich aus Transaktionen zwischen den Spielern ergeben, und verknüpft Datenblöcke mithilfe von kryptografischen Prozessen. Petter Olsen vom norwegischen National Food Research Institute Nofima sieht in der Blockchain-Technologie das Potenzial, die Rückverfolgbarkeit insbesondere bei der Dokumentation von Transformationen in der Lebensmittelversorgungskette deutlich zu verbessern. Auch wenn sich einige dieser Behauptungen als falsch erwiesen haben, können sie zumindest auf den Hersteller zurückgeführt werden. Petter Olsen warnte jedoch vor zu viel Euphorie: „Viele Lieferanten übertreiben, wenn sie die Vorteile der Blockchain-Technologie beschreiben. Die Blockchain-Technologie kann vorhandene Rückverfolgungssysteme verbessern und nicht ersetzen.“

Wirtschaftsdaten und Marktunregelmäßigkeiten als Indikatoren für Food Fraud-Gefahren 

Britta Müller berichtete, wie das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) zur Früherkennung von gefälschten Lebensmitteln das Marktumfeld näher in den Blick nimmt. Gemeinsam mit Statistikern der Ludwig-Maximilians-Universität München haben LGL-Experten die Analysemethode „Import Screening for the Analysis of food Risks“ (ISAR) entwickelt, mit deren Einsatz sich Lebensmittel-Importströme auf Unregelmäßigkeiten untersuchen lassen. Dabei werden Veränderungen bei Preisen und Mengen von Lebensmittelimporten erfasst und in Bezug zum jeweiligen Herkunftsland gesetzt. Liegt beispielsweise die tatsächliche Preisentwicklung über der erwarteten, kann dies ein Hinweis für eine höhere Wahrscheinlichkeit von Betrugsfällen sein. Hinweise, die sich aus der ISAR-Analyse ergeben, werden nach zusätzlichen Recherchen und Expertenabschätzungen hinsichtlich ihres Gesundheits- bzw. Betrugsrisikos bewertet. Bei hinreichendem Verdacht auf ein Gesundheits- oder Betrugsrisiko werden am LGL Expertengruppen eingerichtet, die das Thema vertieft bearbeiten. Erhärtet sich ein Verdacht, können sich zur Abklärung gezielte Probennahmen oder Betriebskontrollen durch die zuständigen Behörden anschließen. Inzwischen kooperiert das LGS auch mit dem BVL und weiteren Bundesländern, um diesen Ansatz in der deutschen Lebensmittelüberwachung zu etablieren.

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Telefax  +49 231 75896-53
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