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Fresenius Laborleiter-Tagung in Köln diskutierte aktuelle Herausforderungen: Vermeidung von Mineralölrückständen und Abwehrmaßnahmen gegen Food Fraud auf der To-Do-Liste für 2018

Analytik & QS

Auf einer Fachtagung der Akademie Fresenius am 22. und 23. November in Köln blickten Laborleiter der Lebensmittelindustrie auf die Aufgaben und Herausforderungen für 2018 und darüber hinaus: Neue Möglichkeiten und Anforderungen an die Authentizitätsprüfung stehen angesichts der Zunahme von Lebensmittelbetrugsfällen ganz oben auf der Agenda. Auch die Analytik und Bewertung von Mineralölbestandteilen bleibt ein großes Thema. 

Tobias Lackner vom Regierungspräsidium Darmstadt berichtete von der Bekämpfung von Lebensmittelbetrug durch die Behörden. Betrug mit gefälschten Lebensmittel hat immer wieder Aufmerksamkeit in den Medien gefunden – zum Beispiel beim Pferdefleischskandal 2013. Steigende Weltmarktpreise für Rohstoffe und ein vermehrtes Interesse der Verbraucher für hochpreisige Lebensmittel machen den Betrug mit gefälschten Rohstoffen für Betrüger attraktiv. Im Vergleich mit anderen Straftaten wie Drogen- oder Zigarettenschmuggel, war die Aufdeckungsquote der Behörden früher noch geringer. Deshalb entwickelte sich auch ein „wachsendes Interesse der organisierten Kriminalität“, warnte Lackner und verwies auf Fälle, in denen Olivenöl massenhaft gepanscht worden ist. „Lebensmittelfälschung kann oft nur schwer entlarvt werden, weil Imitatoren die Fälschungen mit der gleichen Analytik entwickeln wie die Prüfer“, stellte Stephan Schwarzinger, Professor an der Universität Bayreuth, fest. Aber: „Je mehr Parameter geprüft werden, desto höher liegt grundsätzlich die Messlatte“. Er empfiehlt, sich nicht auf eine vollautomatisierte Messung zu verlassen. Die Plausibilitätsprüfung sei immer notwendig. Allerdings erfordere sie viel Erfahrung in der Spektroskopie und in der Lebensmittelchemie und -technologie, weiß Schwarzinger.

Lebensmittelkriminalität kein reines Importproblem

„Lebensmittelkriminalität ist kein reines Importproblem, sondern kommt auch in renommierten deutschen Unternehmen vor“, betonte Tobias Lackner. Zur Untermauerung seiner These schilderte er den Fall eines Weinguts, das hochwertige Lagenweine mit anderen Weinen vermischt und unzulässige Verfahren eingesetzt hatte. Zur Aufklärung dieses Falles hat die gute Zusammenarbeit zwischen Strafverfolgungs- und Lebensmittelbehörden beigetragen. Die Wirkung eines langwierigen Strafverfahrens ist allerdings oft gering – wenn zum Beispiel das Verfahren nach Zahlung einer Geldbuße eingestellt wird. Dagegen ist das Verwaltungsverfahren oft schneller und effektiver als das Strafverfahren. Behörden sollten es auf keinen Fall vernachlässigen, so Lackner. Zudem fordert er besseren Schutz für Menschen, die als Whistleblower auf Lebensmittelbetrug aufmerksam machen. „Sie liefern den Behörden oft den Ausgangspunkt für Ermittlungen.“

Bekämpfung von Mineralölbestandteilen in Lebensmitteln: Zusammenwirken aller Beteiligter der Wertschöpfungskette erforderlich

Zu den dringenden Problemen der Laborleiter und Analytik-Experten zählt die Vermeidung von Mineralölbestandteilen in Lebensmitteln. Durch Lebensmittelverpackungen aus Altpapier, das zum Beispiel Druckschwärze enthält, können Mineralölkohlenwasserstoffe (MOSH = Mineral Oil Saturated Hydrocarbons und MOAH: Mineral Oil Aromatic Hydrocarbons) in Lebensmittel gelangen. MOSH und MOAH werden leicht aus Lebensmitteln in den Körper aufgenommen und reichern sich im Körperfett und in Organen wie Milz oder Leber an.

Seit den ersten Nachweisen um 2009 hat die Lebensmittelindustrie gehandelt und Ursachenforschung entlang der Wertschöpfungskette betrieben, ist der Lebensmittelchemiker Michael Warburg überzeugt. Dagegen sei die rechtliche Grundlage zur Bewertung immer noch ungeklärt. Noch sind weder Verpackung, Druckfarben oder das Lebensmittel selbst Gegenstand verbindlicher „Mineralölregelungen“. 

Problem für den Handel: Kontamination während der Lagerung

Um die Problematik der Mineralölrückstände in den Griff zu bekommen, müssen alle Beteiligten entlang der Lieferkette zusammenarbeiten: „Jeder ist für die Einhaltung der ‚Guten Herstellungspraxis‘ auf seiner Stufe der Wertschöpfungskette verantwortlich“, so Warburg. Besonders herausgefordert seien die Handelsunternehmen, die sich Problemen durch Kontamination während der Lagerung ausgesetzt sehen: „Selbst bei Einhaltung guter fachlicher Praxis bestehen für sie an diesem Punkt der Wertschöpfungskette nur relativ geringe Einflussmöglichkeiten.“

Fremdkörpermanagement: Absolute Sicherheit gibt es nicht

Im Zeitalter des Internets können Produktrückrufe erheblichen Imageschaden bewirken. Um so wichtiger sind Methoden der mikrobiologischen Kontrolle und des Fremdkörpermanagements. Markus Dürrschmid vom österreichischen Müsliriegelhersteller Gutscher Mühle (Traismauer) stellte aktuelle Verfahren der Metall- und Röntgendetektion vor. Trotz allen technischen Fortschritts bleibt Dürrschmid realistisch: Fremdkörperdetektion hilft, das Risiko deutlich zu reduzieren. Es kann aber keine absolute Sicherheit erzeugen.“ Auch wenn heute viele neue und innovative Methoden zum Einsatz kommen, ist das klassische Plattengussverfahren, das Robert Koch bereits 1876 in die Bakteriologie eingeführt habe, für die Industrie immer noch unverzichtbar.

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