Aktuelles rund um die Akademie Fresenius

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Getränkeindustrie 4.0: Erfolgsfaktor Mensch gewinnt an Bedeutung

Abfüllung sensibler Getränke

Die 15. Fachtagung „Technologie und Abfüllung sensibler Getränke“ der Akademie Fresenius am 7. und 8. November in Köln stand ganz unter dem Vorzeichen „Industrie 4.0“.

24 Getränkeexperten diskutierten mit den Teilnehmern neue Technologien und Konzepte, mit denen sich die Getränkeindustrie auf die digitalisierte und vernetzte Abfüllung vorbereitet. 

Auf dem Programm standen Erfahrungsberichte über die Inbetriebnahme von Abfüllanlagen, den aseptischen Betrieb in einer Molkerei und die Produktivitätsoptimierung von Abfülllinien durch Echtzeit-Monitoring. Die Referenten nahmen beim Blick in die Zukunft der Abfüllung sensibler Getränke nicht nur Technologie und Maschinen, sondern vor allem auch den Menschen und sein Handeln in den Blick. 

Optoelektronische Zungen erkennen Saft, Weißwein und Whiskey – und können Juice-Fraud verhindern

Der Chemiker Uwe Bunz von der Uni Heidelberg erläuterte den Konferenzteilnehmern, wie die Echtheitsprüfung von Getränken wie Weißwein und Whiskey mit „optoelektronischer Zunge“ funktioniert. Die künstliche Zunge kann mit einem Sensor und infrarotem Licht die chemischen Reaktionen, wie sie beim Trinken im Mund ablaufen, direkt beobachten und auswerten. Das bietet neue Möglichkeiten für die Sicherstellung der Authentizität und zur Abwehr von „Juice Fraud“, der Getränke- bzw. Saftfälschung.

Störzeiten durch zu klein ausgelegte Pufferstrecken vermeiden

Ein weiterer Tagungsschwerpunkt widmete sich der Anlagenverfügbarkeit, die sich angesichts des zunehmenden Konkurrenzdrucks und steigender Produktionszahlen als ‚offene Flanke‘ eines Getränkeabfüllers entpuppen kann. Hartmut Evers, der bis vor Kurzem Leiter des Technologiezentrums bei KHS (Bad Kreuznach) gewesen ist, riet den Unternehmen, bei Planung und Betrieb einer Abfüllanlage ausreichend Flaschenpuffer einzuplanen, um Störungen zu vermeiden. Seinen Unterlagen zufolge macht der Flaschentransport bis zu 20 Prozent der Investitionskosten aus. Wichtig sei ein kontinuierlicher Betrieb des Füllaggregats. Ein kontinuierlicher Flaschentransport schont die Flaschenoberflächen und reduziert die Lärmemission. Evers riet dazu, die Staudrücke zwischen Verschließer, Etikettierer und Einpacker zu minimieren, um Flaschen und Etiketten zu schonen.

Reliability im Anlagen-Lifecycle: Zuverlässigkeit als Kernkompetenz

Der Lebensmitteltechniker und Berater Axel Keller merkte an, dass in vielen Getränkeunternehmen der Kernbereich der „Zuverlässigkeit“ nicht genügend betont werde. Seiner Meinung nach muss Zuverlässigkeit eine Kernkompetenz für alle Betriebsebenen sein: „Ohne zuverlässige Prozesse werden wir niemals in der Lage sein, unsere Ziele in Bezug auf Produktivität, Sicherheit, Umwelt, Qualität und Kosten zu erreichen!“, so Keller. Er hat festgestellt, dass in vielen deutschen Getränkeunternehmen die Lifecycle-Kosten einer Anlage zu hoch sind. Dies liege auch daran, dass die Möglichkeiten von Inspektion und proaktiven Instandhaltungsmaßnahmen nur unzureichend und nicht flexibel genutzt würden. Er plädierte für mehr Zuverlässigkeit in allen Prozessschritten. Der Schlüssel zur Zuverlässigkeit sei Detailgenauigkeit in allen Teilprozessen. Dazu zähle ebenso die Präzision in der Instandhaltung wie die Berücksichtigung von Aspekten der Entsorgungs- und Außerbetriebnahme bereits in der Konstruktionsphase. 

Nachwuchsförderung und Fachkräftemangel in der Getränkeindustrie: Bindungs- und Rekrutierungsprogramme werden überlebenswichtig

Zuverlässige Produktion gibt es nur mit zuverlässigem und gut ausgebildetem Personal. Das Finden und Binden guter und motivierter Mitarbeiter wird aber auch für Getränkeabfüller immer schwieriger, wie Wolfgang Janssen von der Radeberger Gruppe den Teilnehmern der Fresenius-Fachtagung vor Augen führte. Er warf einen Blick auf die aktuelle und auf die zukünftige Ausbildungssituation. Zwar seien Angebot und Nachfrage in den klassischen Ausbildungsberufen wie Brauer und Mälzer oder Industriekaufmann in den vergangenen Jahren recht konstant gewesen. Das Ausbildungsangebot wird und muss sich aber an die technologische Entwicklung in der Getränkeindustrie anpassen und erweitern. Steigende Komplexität in der täglichen Arbeit erhöht den Bedarf an technischen Fachkräften. Nicht jedes Unternehmen wird diesen Bedarf decken können. 

Janssen geht davon aus, dass sich die Ausbildungsstrategien der Getränkeunternehmen stärker auf spezialisierte technische Ausbildungsberufe fokussieren werden. Ein gutes Mittel im Kampf gegen den Fachkräftemangel sieht er im Berufsakademie-Studium. Es liefere den Unternehmen hochqualifizierte und akademisch ausgebildete Beschäftigte, deren Ausbildung direkt auf die Ansprüche eines Unternehmens ausgerichtet werden kann. Allerdings sei nicht jeder Absolvent einer Berufsakademie für Führungspositionen geeignet. Deshalb müssen Unternehmen nicht nur mit Ausbildungsprogrammen und Personalakquise, sondern auch mit Talent- und und Nachfolge-Management auf den Fachkräftemangel reagieren. Schon jetzt sei absehbar, dass das Gehaltsniveau für gefragte Fachkräfte steigen werde. Und das Risiko, dass qualifizierte Talente abgeworben werden. Darauf müssen Unternehmen vorbereitet sein: „Jedes Unternehmen in der Getränkeindustrie wird nach seiner regionalen Aufstellung und seiner regionalen Struktur seinen eigenen Weg für Ausbildung und Qualifizierung finden müssen.“

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Die Akademie Fresenius GmbH

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