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Gibt es einen Cocktail-Effekt? Internationale Fresenius-Konferenz diskutierte Ansätze zur kumulativen Risikobewertung von Pestizidrückständen

Am 28. und 29. März lud die Akademie Fresenius in Düsseldorf zur 17. internationalen Konferenz „Food Safety and Dietary Risk Assessment“. Hochrangige internationale Experten diskutierten Aktuelles zur Bewertung und Regulierung von Pestizidrückständen. Im Mittelpunkt standen die kumulative Risikobewertung und die Bewertung chemischer Mischungen.

Aktuell wird diskutiert, ob sich die Schädlichkeit von Pestiziden für Mensch und Umwelt erhöhen kann, wenn sie in Kombination miteinander auftreten. Wissenschaftler sprechen gerne vom „Cocktail-Effekt“, über den sie noch zu wenig wissen. Noch sind die Wechselwirkungen in vielen Fällen zu unklar oder unbekannt, um Rückstandshöchstmengen für Pestizid-Kombinationen festzulegen. Die angemessene Risikobewertung für kombinierte Expositionen ist deshalb eine der meistdiskutierten Fragen unter Toxikologen und Vertretern der Behörden sowie der Pflanzenschutzmittelindustrie. Die Akademie Fresenius brachte zu diesem Thema Vertreter der OECD und europäischer Behörden zusammen.

Alan R. Boobis vom Imperial College in London sieht in Europa noch Abstimmungsbedarf über die Prinzipien, nach denen Bewertungsgruppen von Chemikalien definiert werden. Außerdem fehle es noch an Übereinstimmung, wie Informationen über Wirkungsweisen und Ergebnisse in kumulativen Risikobewertungen zu berücksichtigen sind. Auch der Umgang mit Daten, die in Verfahren ohne Tierversuche gewonnen werden, und ihre Berücksichtigung bei der Bewertung der Evidenzlage (weight of evidence) bedürften noch der Klärung, so Boobis.

Leitfaden fasst Erkenntnisse der OECD zusammen

Eeva Leinala stellte einen Leitfaden für die Untersuchung kombinierter Expositionen vor, den die OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) im Dezember 2018 veröffentlicht hat. Das Dokument zeigt, dass es gegenwärtig zwei Ansätze zur Bewertung von Pestizid-Kombinationen gibt: der „Whole Mixture Approach“ (WMA), der Gemische als Ganzes analysiert, und der „Component Based Approach“ (BTA), der die Bestandteile einzeln betrachtet. Eeva Leinala betonte, dass mit den verschiedenen Ansätzen zur Risikobewertung eine Reihe von Einschränkungen und Unsicherheiten verbunden seien. Es gelte, die Verfahren zu verbessern und weitere Erfahrungen zu sammeln. So seien mehrstufige Unsicherheitsanalysen notwendig. Die Ergebnisse dieser Analysen müssten den Entscheidungsträgern dann „auf verständlichem Wege“ kommuniziert werden.

Aktueller Stand des EuroMix-Projektes

Auch die EU hat die Risikobewertung von Stoffgemischen als Herausforderung für die Zukunft identifiziert. Seit 2015 entwickeln Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus 15 Ländern der Europäischen Union auf der Basis von neu zu entwickelnden und bereits existierenden Testsystemen und Prüfleitlinien eine Strategie zur Untersuchung und zur Bewertung der Toxizität von Stoffgemischen. Die Ergebnisse dieser toxikologischen Untersuchungen fließen in neue computergestützte Modelle für die Berechnung der Risiken ein, die verschiedene Expositionsszenarien, Lebensumstände und Geschlechterunterschiede berücksichtigen. Mögliche Verbesserungen für die Untersuchung von Stoffgemischen sieht Jacob van Klaveren unter anderem in expositionsbedingten Ansätzen, der Hinzunahme von kinetischen Informationen und dem Vergleich von berechneten Aufnahmemengen und Beobachtungen am Menschen. Das EuroMix-Projekt will auch ein webbasiertes Tool für die Risikobewertung von Stoffgemischen zur Verfügung stellen.

Kumulativer Risikoindex in Schweden: Auffällig sind vor allem importierte Pflanzen

Anneli Widenfalk von der schwedischen Lebensmittelbehörde berichtete über kumulative Risikobewertungen, die in ihrem Land durchgeführt worden sind – unter anderem kombinierte Risikobewertungen von Dioxinen und dioxinähnlichen PCBs (Polychlorierte Biphenyle) in Lebensmitteln und die Auswertung von Biomonitoring-Daten für Expositionsbewertungen von Pestizidrückständen. So hat die Behörde einen kumulativen Risiko-Index erstellt. Aktuell geht die schwedische Lebensmittelagentur davon aus, dass Pestizidrückstände keine langfristigen Gesundheitsprobleme für schwedische Konsumenten darstellen. Der Index weist vor allem Einträge aus Äpfeln, Birnen, Zitrusfrüchten, Tomaten, Bananen und Gurken aus. Den größten Anteil am Risiko-Index steuert importiertes Gemüse bei, das Substanzen enthält, die in der EU nicht oder nur bis zu bestimmten Schwellenwerten erlaubt sind. Anneli Widenfalk betonte, dass Forschung und Behörden mehr Erkenntnisse über kumulative Wirkungen und endokrin wirksame Substanzen benötigen. Zudem müssten die Methoden zur Risikobewertung verbessert werden. 

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