Aktuelles rund um die Akademie Fresenius

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Globale Rohstoffbeschaffung in der Lebensmittelindustrie: Unruhigere Märkte verlangen sensibles und umfassendes Risikomanagement beim Einkauf

Der Einkauf von Rohstoffen auf dem Weltmarkt ist für die deutsche Lebensmittelindustrie zu einem der entscheidenden Erfolgsfaktoren geworden. Und zugleich eine Achillesferse. Oft stehen die Unternehmen den Einflüssen durch Unwetter, Kriege oder überhitzte Märkte schutz- und planlos gegenüber. Gefragt sind umfassende und vorausschauende Strategien. So blicken viele Rohstoffeinkäufer mit Sorge auf den Oktober 2017. Dann geht nach gut 50 Jahren die sogenannte Zuckerquote in der EU zu Ende. Mittel- bis langfristig rechnen viele Experten mit zunehmenden Preis- und Mengenschwankungen. Wenige Tage vor dem offiziellen Ende der Zuckerquote lud die Akademie Fresenius am 21. und 22. September in Düsseldorf zu einer Fachtagung speziell zum internationalen Rohstoff-Einkauf.

Das Programm der Fachtagung setzte nicht nur die Umbrüche auf dem Zuckermarkt in den Fokus. Auch weitere Märkte wie Milch, Nüsse, Obst und Gemüse standen im Mittelpunkt der Vorträge und Diskussionsrunden. Dazu hatte die Akademie zahlreiche Vertreter aus nationalen und internationalen Lebensmittelkonzernen wie Mondeléz, Südzucker, Hochwald Foods und Hipp gewinnen können. 

Nach dem Fall der Zuckerquote: Neue Märkte im Fokus 

Ab dem 1. Oktober 2017 entfallen wesentliche Elemente der EU-Zuckermarktpolitik: die EU-Quoten für Zucker und für Isoglukose, sowie die Mindestpreise für Zuckerrüben, die zur Erfüllung der Zuckerquote angebaut wurden. Die Trennung zwischen Quoten- und Nichtquotenzucker entfällt. Es gibt nur noch einen gemeinsamen EU-Markt für rund 19 bis 20 Mio. t Zucker Nachfrage. Auf der Fresenius-Fachtagung blickte Ansgar Vielberg von der Südzucker AG (Mannheim) in die Zukunft. Er rechnet mit einer deutlichen Steigerung der heimischen Rübenzuckerproduktion in einem sich wandelnden Marktumfeld.  So wird die Produktion in der Europäischen Union von rd. 18 Mio. t auf rd. 19 bis 20 Mio. ansteigen. Bei denen, im aktuellen Anbaujahr, sehr guten Anbaubedingungen in den Kernregionen des Zuckerrübenanbaus, könnten die Erträge sogar über 20 Mio. t liegen. Die Zuckerfabriken haben ihre Produktion bereits europaweit gestartet. Die Produktionskampagne wird bei vielen Fabriken bis weit in den Januar 2018 fortgeführt. 24 Stunden am Tag. 7 Tage die Woche. 

Die Preis-und Mengenvolatilität des Weltmarktes wird zukünftig stärker als bisher auf den EU-Zuckermarkt durchschlagen. Europa muss sich auf größere Mengen-und Preisschwankungen und auf geringere Vorhersehbarkeit vorbereiten. Damit wird die Rohstoffsicherung bei volatilerem Marktumfeld auch für die zuckerverarbeitende Industrie zum Thema. Dieser Druck kann und sollte die Zusammenarbeit in der Wertschöpfungskette von der Zuckerrübe bis hin zum Endkunden stärken. „Rübenanbau und Zuckerindustrie rücken eng zusammen“ ist sich Ansgar Vielberg sicher. Die Zuckerrübenproduktion wird in Zukunft an den effizientesten Rübenstandorten gebündelt werden. Für sein Unternehmen sieht Vielberg ideale ackerbauliche Voraussetzung für den Zuckerrübenanbau. „Die regionale Zuckerrübenproduktion bleibt der Megatrend der Südzucker AG.“ Chancen ergeben sich zukünftig vor allem auch auf den Exportmärkten. Der Export von EU-Weißzucker in die Welt war seit 2006 stark begrenzt. Nun sind diese Märkte wieder frei zugänglich und auch aufnahmefähig, da die Zuckernachfrage vor allem in Asien und im nördlichen Afrika kontinuierlich wächst. „Eine konsequente Marktorientierung für unser Unternehmen“ so Vielberg „ist daher unerlässlich“. Mit den neuen Vorzeichen für Zuckerproduktion und -Handel steigt auch der Bedarf an Marketing und Kommunikation: „Zucker ist ein faszinierendes Produkt, das wir den Menschen näherbringen müssen." 

Klimawandel ändert Angebot und Nachfrage

Einen Blick in die Zukunft lieferte den Teilnehmern auch Christina Koppe vom Deutschen Wetterdienst (Offenbach). Zwar seien Ausblicke immer schwierig, weil die Auswirkungen auf Erträge der Landwirtschaft nicht nur von Wetter und Klima, sondern von vielen Faktoren abhängig sind. Dennoch lassen sich bereits heute negative Effekte durch weltweiten Temperaturanstieg und Zunahme der Starkregenhäufigkeit auf die Erträge vieler Agrarrohstoffe feststellen. Dieser Trend wird sich in Zukunft vermutlich fortsetzen. Die Unsicherheiten nehmen nicht nur im erwarteten Angebot, sondern auch in erwarteter Nachfrage zu. Aber nicht nur das Risiko und die Schwankungsbreite für den Anbau steigt. Ebenso vom Klimawandel betroffen sind die Verarbeitung, Lagerung und der Transport von Agrarrohstoffen.

Verlässliches Risikomanagement braucht Schulterschluss aller Parteien

Andreas Witsch vom Feinkosthersteller Develey (Unterhaching) beschäftigte sich in seinem Vortrag mit Problemen der Risikobewertung von international gesourcten Rohstoffen. Er warb dafür, Partner und Landwirte in den Partnerländern mehr und stärker für Risiken und die Anforderungen in Deutschland zu sensibilisieren: „Die Angst der europäischen Verbraucher bewirken im Erzeugerland oft eher Verwunderung als Verständnis.“ Umso wichtiger sei es, bereits in der Vorstufe die Erwartungen an Hygiene und Sicherheit und Ansprüche an die Authentizität eines Lebensmittels herauszustellen. Nur eine klare Bewertung der kompletten Prozesse mache eine seriöse Quantifizierung des Risikos möglich. Das verlangt offenen Dialog und den Schulterschluss aller Parteien: „Risikomanagement ist umso wirksamer, je früher es in der Supply-Chain etabliert ist: Wenn Risiken bekannt werden, kann man Einflussgrößen beeinflussen“. Zwar seien Verschleppungen nicht immer vermeidbar, aber man könne sie seriös bewerten. Für den Gewürzeinkauf empfahl Witsch, keine gemahlene Rohware im Ursprungsland einzukaufen. Nur so könne man die Gefahr von Streckung, Vermischung und Verfälschung ausschließen. Stückige Ware sollten Importeure deshalb besser in Deutschland vermahlen. 

Monokausale Betrachtungsweisen können zu Rohstoff-Engpässen führen

Georg Hartmann vom HIPP-Werk Georg Hipp OHG (Pfaffenhofen an der Ilm) sieht eine steigende Sensibilität der Verbraucher für Rückstände und Kontaminanten insbesondere bei Babynahrung. Das Problem für die Hersteller: „Die Quellen der Verunreinigung sind oft für Erzeuger und Verarbeiter nicht offenbar.“ Insgesamt werde die Verfügbarkeit von Rohstoffen für die Hersteller stark eingeschränkt, da oft mehrere Themen zugleich den Einsatz einer Rohware beschränkten, so Hartmann. Oft käme es dabei zu monokausalen Betrachtungsweisen. Dies könne dazu führen, dass geeignete Rohware für Babynahrung nicht mehr in ausreichender Menge zur Verfügung steht. Die Folge wäre ein globales Rohstoffsourcing – „mit noch höheren Risiken und weiteren Herausforderungen“, so Hartmann und verweis als Beispiel auf das Problem des Chlorateintrags in Babynahrung durch Trinkwasser: Chlorat hemmt die Iod-Aufnahme. In vielen Ländern wird das Trinkwasser z.T. stark gechlort. Dies sei für die Lebensmittelsicherheit „ein zwingendes Muss“: „Würde trotz des mikrobiologischen Risikos auf den Einsatz einer Chlorierung von Trinkwasser wegen der Chlorat-Problematik verzichtet, steigt bei bestimmten Erhitzungsverfahren speziell auch für Babynahrung wiederum das mikrobiologische Risiko, weil die Grundbelastung der Rohstoffe bereits erhöht ist.“

Nächste Fresenius-Fachtagung im Dezember diskutiert Anforderungen an die Lebensmittel-Supply Chain

Die nächste Fachtagung der Akademie Fresenius am 5. und 6. Dezember in Mainz diskutiert Hygiene-Standards, Qualitätssicherung entlang der Wertschöpfungskette und Ansätze für die Lebensmittellogistik der Zukunft. Berichte aus der Praxis stehen dann ebenso auf der Tagesordnung wie die Sicht der Behörden auf Transparenz und Kontrolle der Lieferkette. Insgesamt verteilen sich 15 Fachvorträge auf zwei Konferenztage. So beschreibt Oliver Frandrup-Kuhr vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), warum Transparenz mehr bedeuten muss als Rückverfolgbarkeit. Markus E. Schick vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) berichtet von der Einrichtung einer neuen Kontrollbehörde zur Überwachung komplexer Betriebe. Doris Gerlach vom Landesbetrieb Hessisches Landeslabor stellt die risikobasierte Durchführung der Einfuhrkontrollen am Frankfurter Flughafen vor. Frank Glienke von Lindt & Sprüngli zeigt, wie das Unternehmen Informations- und Kostentransparenz im Transportmanagement sicherstellt. Wie das globale Rohstoff- und Lieferantenmanagement für eine Pizza aussehen kann, beschreibt Jürgen Sommer von Freiberger Lebensmittel. Weitere Informationen erhalten Sie hier!

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