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Ist die Zukunft für die Lebensmittelindustrie weniger süß? Tagung zur Reduzierung von Zucker, Fett & Co in deutschen Lebensmitteln

Weniger Zucker, Fette und Salz, aber dennoch ausreichend Nährstoffe wie Vitamine und Mineralstoffe: Die Ansprüche von Politik, Gesellschaft und Verbraucher an Lebensmittel sind enorm gestiegen. Wie die Industrie auf diese Trends reagieren kann, diskutierten die Praxistage der Akademie Fresenius am 15. und 16. Mai in Mainz. Im Zentrum vieler Vorträge und Debatten stand die „Nationale Reduktions- und Innovationsstrategie“ von Ernährungsministerin Julia Klöckner.

Durch freiwillige Zielvereinbarungen mit den Unternehmen möchte die Ministerin erreichen, dass Fertigprodukte gesünder werden. Die Hersteller sollen die Anteile an Zucker, Fetten und Salz reduzieren, damit für die Verbraucher im Alltag „die gesunde Wahl zur leichten Wahl“ werden kann. Für Angela Kohl, wissenschaftliche Leiterin des Bundes für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde, hängt der Erfolg dieser Bemühungen von vielen Faktoren ab. Zum Beispiel von der technologischen Machbarkeit. Die Lebensmittelwirtschaft in Deutschland sei vor allem mittelständisch geprägt. Die Innovationsstrategie des Ministeriums stelle hohe Anforderungen an die kleinen und mittleren Betriebe, die Rezepturen ändern und Produkte anpassen müssen. „Am Ende des Tages kann nur ein ganzheitlicher Ansatz zum Erfolg führen“, ist sich Kohl sicher. Reformulierung von Lebensmitteln könne nur ein Baustein im gesamten Prozess einer Lösung zur Bekämpfung von Übergewicht sein. Kohl mahnt zur Geduld. Die Umsetzung der Branchenvereinbarungen könne nicht von heute auf morgen erfolgen. Vor allem müssten die Konsumenten mitgenommen und überzeugt werden: Letztendlich entscheide die Verbraucherakzeptanz über Erfolg oder Misserfolg der Reduktions- und Innovationsstrategie. 

Verbraucherzentralen fordern Werbeeinschränkungen für ungesunde Lebensmittel

Verbraucher wünschen sich gesunde Lebensmittel, ist Angela Clausen von der Verbraucherzentrale Nordrheinwestfalen überzeugt. Die Reduktion von Zucker, Salz und Fett in Lebensmitteln, wie sie die Reduktions- und Innovationsstrategie verfolgt, müsse ambitioniert, transparent und unabhängig überprüfbar sein. Eine rein auf Freiwilligkeit der Hersteller basierende Strategie reiche aber nicht aus. So wünscht sich Angela Clausen mehr Vorgaben für Informationen in Gastronomie und Kantinen, ein geeignetes Lebensmittelangebot auf Kinder- und Jugendsportveranstaltungen, verbindliche Qualitätsstandards für Kita- und Schulverpflegung sowie Werbebeschränkungen, die verhindern, dass Leistungssportler als Influencer für „ungesunde“ Lebensmittel werben dürfen. 

„Weniger süß“: Auslobung mit weniger Klarheit

Ein großer Tagungsblock widmete sich neuen Formen der Nährwertdeklaration, der Natürlichkeitswerbung und der Auslobung des Zuckergehalts. Immer mehr Hersteller verwenden auf ihren Verpackungen Aussagen wie „weniger süß im Geschmack“ oder „schmeckt weniger süß“. Dabei handelt es sich nicht um nährwertbezogene Angaben, wie Susanne Langguth, ehemalige Direktorin der Südzucker AG, betonte und verwies dazu auf eine Stellungnahme des Arbeitskreises Lebensmittelchemischer Sachverständiger der Länder und des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (ALS) aus dem Jahr 2015. Die Aussage „schmeckt weniger süß“ könne zwar verwendet werden, ohne dass für das Produkt besondere Anforderungen bestehen. Langguth empfiehlt aber, die Auslobung möglichst präzise zu formulieren. Den Verbrauchern müsse sofort klar sein, dass es sich bei dieser Beschreibung des Geschmacks nicht um eine Aussage zu Nährstoffen handele. 

Im Trend: Sensor im Zahn und andere Formen personalisierter Ernährung

Das Problem aller Bemühungen um vermeintlich richtige Nährwertdeklaration und Informationen über gesunde Ernährung für Verbraucher liegt in der zwangsläufigen Konzentration auf Mittelwerte. Der allgemeine Rat ist nur dann gut und hilfreich, wenn man selbst im Durchschnitt liegt, betont Lebensmittelexperte Michael Gusko, Managing Director von GoodMills Innovation: „Das Leben ist aber nie durchschnittlich!“ Deshalb kann es für ihn auch keine universelle Ernährungsregeln für alle Menschen geben. Die Zukunft gehört seiner Meinung nach den personalisierten Lebensmitteln. Neue Technologien und Algorithmen machen es schon heute möglich, Speisepläne individuell auf den einzelnen Menschen und seine Bedürfnisse abzustimmen. Zum Beispiel hat die Tufts University (USA) 2018 einen Versuch durchgeführt, in dem ein am Zahn befestigter Sensor die Ernährungsweise und Gesundheit seines Trägers dokumentiert hat. Diese Techniken werden sich schnell durchsetzen und rasch Marktreife erlangen. Mit den Technologien ändern sich aber auch Märkte, Geschäftsmodelle und die Beziehungen zwischen Industrie, Zuliefern und Kunden. Michael Gusko glaubt, dass die personalisierte Ernährung die Industrie radikal verändern wird: „Es geht eigentlich um die Umverteilung von Macht und die Bildung von Partnerschaften mit dem Verbraucher.“ 

Neues Zusammenspiel von Healthcare-Technologie, Lebensmittelindustrie und Ernährungsmedizin

Personalisierte Ernährung entsteht durch das Zusammenwirken von Healthcare-Technologie, Lebensmittelherstellern und -händlern und Ernährungsmedizin. So wächst in Guskos Augen eine Industrie heran, „die niemandem gehört“. Das Management der Food-Unternehmen stehe bereits heute vor großen Herausforderungen, weil der Wandel auf dem Markt in unterschiedlichen Geschwindigkeiten erfolge: „Die Welt der Ernährung hat sich schneller entwickelt als die Ausbildung oder Gesetzgebung. Es ist an der Zeit, dass Ernährungsexperten an der Spitze einer neuen Bewegung stehen, die die Branche erschüttern wird.“

Regionales Superfood: Chia und Yacon bald auf deutschen Äckern?

Diabetiker, Sportler und Allergiker schwören oft auf die Superfood-Pflanzen wie Quinoa, Chia oder Yacon. Ihre Samen, Mehle und Sirupe sind aus Bioläden nicht mehr wegzudenken. Vielleicht können die Kunden schon bald Produkte aus deutscher Ernte kaufen und essen. Wie Simone Graeff-Hönninger von der Universität Hohenheim berichten konnte, ist es dem Institut für Kulturpflanzenwissenschaften gelungen, die in Südamerika heimischen Pflanzen auch in Deutschland anzubauen. Lange hieß es, das mitteleuropäische Klima sei ungeeignet, um diese Pflanzen großflächig und gewinnbringend anzubauen. Nun konnten die Wissenschaftler zeigen, dass der Anbau südamerikanischer Superfood-Pflanzen in Deutschland prinzipiell möglich ist. Das bietet neue Marktnischen für deutsche Landwirte und die Lebensmittelindustrie. Vor allem Pflanzen in Bioqualität seien stark nachgefragt. „Superfoods sind kein Jungbrunnen, aber sie bieten eine breite Vielfalt und Abwechslungsmöglichkeiten in der Ernährung“, beschreibt Simone Graeff-Hönninger die Vorteile der unscheinbaren kleinen Körner. 

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Die Akademie Fresenius GmbH

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Telefax  +49 231 75896-53
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