Aktuelles rund um die Akademie Fresenius

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Komplexe Beziehungen, komplexe Analysen, komplexe Probleme: Konferenz der Akademie Fresenius diskutierte aktuelle Fragen der ökotoxikologischen Risikobewertung

Am 29. und 30. November veranstaltete die Akademie Fresenius die 18. internationale Fachkonferenz „Aquatic and Terrestrial Ecotoxicology and Risk Management“ in Mainz. Hochrangige Experten aus Europa und China diskutierten das Gefahrenpotential von zugelassenen oder neuen Umweltchemikalien auf Ökosysteme. Aktuelle Bemühungen in der EU um eine Harmonisierung der Maßnahmen zur Risikominderung standen ebenso im Mittelpunkt der Vorträge wie neue Ansätze der Effektmodellierung und neue Ziele zum Schutz der Artenvielfalt.

Umweltrisikoanalysen können zu sehr komplexen Studien führen. Moderne Analysemethoden erlauben genaue Messungen, erhöhen aber auch die Komplexität von Antrags- und Untersuchungsverfahren. Die Verhältnismäßigkeit der geforderten Nachweise und Dokumentation sind deshalb ständiges Gesprächsthema der Experten für Ökotoxikologie und Risikomanagement. So auch auf der Tagung in Mainz. Als Vertreter der Industrie hob Peter Campbell von Syngenta die Probleme, die sich aus der Komplexität der Leitfäden der Europäischen Lebensmittelbehörde EFSA zur Antragsstellung für Pflanzenschutzmittel ergeben, hervor. Diese Behörde liefert wissenschaftliche Beratung für die Europäische Kommission zu möglichen Risiken von Pestiziden in der Umwelt, zudem überarbeitet die Behörde die wissenschaftlichen Methoden und Leitlinien zur Risikobewertung von Pestiziden. Diese Leitlinien sollen Antragstellern und Mitgliedstaaten Orientierungshilfe bei der Durchführung von Risikobewertungen für bestimmte Bereiche im Rahmen des Peer-Reviews von Wirkstoffen und der Zulassung von Pflanzenschutzmitteln auf nationaler Ebene geben. 

Industrie schlägt vor, dass nur kritische Themen und Produkte unter die volle Komplexität der EFSA-Leitlinien fallen

Für Peter Campbell weisen die EFSA-Leitlinien eine hohe Komplexität auf, die die Ungewissheit bei Risikoabschätzungen für die Aufsichtsbehörden allerdings nicht reduziert habe. Die nationalen Behörden und die Industrie müssten hohen Aufwand betreiben, um die hohen Anforderungen der Antragstellung zu bewältigen: „Wenn diese Komplexität auf einen sehr konservativen Ansatz trifft, führt das zu höheren Kosten, längerer Zeit bis zur Genehmigung und Unsicherheit für die Industrie“, so Campbell. Den Landwirten stehe dadurch weniger Auswahl zur Verfügung. Er begrüßte den holistischen Ansatz zur Umweltrisikoeinschätzung, den die schwedische Chemikalienzulassungsbehörde KEMI verfolgt. Die KEMI-Methode kombiniert eine Basis-Umweltrisikoabschätzung mit einem empirischen Ansatz. Das sei eine nützliche Abkürzung, um die erste Stufe der Risikoabschätzungen zu vereinfachen, sofern die Kalibrierung richtig erfolgen würde, ist Campbell überzeugt. Komplexere höherstufige Tests seien immer noch notwendig. Sie könnten aber auf die Anwendung bei kritischen Themen und Produkten reduziert werden. 

Modellbildungen helfen, Mischeffekte besser zu berechnen

Für Andreas Focks vom Umweltforschungszentrum Wageningen reflektiert die hohe Komplexität der Methoden der Risikobewertung die Diversität und Variabilität der Umweltbedingungen. Modellansätze könnten helfen Komplexität und Unsicherheit zu berücksichtigen und zu allgemeingültigeren und robusteren Ergebnissen der Risikoabschätzung führen. Mit Hilfe der Effektmodellierung sei es zum Beispiel möglich, den gesamten Lebenszyklus einer Spezies für die Risikobewertung einzubeziehen. Auch ließen sich Mischeffekte besser berechnen. Andreas Focks wünscht sich mehr Entwicklungsarbeit, speziell in der Effektmodellierung – „idealerweise mit Input der Behörden“.

Telemetrie kann mehr und genauere Daten liefern

Olaf Fülling von Tier3 Solutions, Jan-Dieter Ludwigs von RIFCON und Michael Fryer von UK Health and Safety Executive stellten neue Möglichkeiten der Auswertung von Daten, die mit GPS-Telemetrie (engl. „Radio Tracking“) gewonnen werden, vor. Mit Hilfe der Telemetrie lässt sich messen, wie viel Zeit ein Lebewesen in einem bestimmten Gebiet verbringt und wieviel Nahrung es aus diesem Gebiet aufnimmt (eng. Proportion of Diet = PT). Telemetrie-Daten können vor allem genutzt werden, um die PT-Parameter in Analysen des langfristigen Risikos für Vögel und Säugetiere zu schärfen. „Wir können vorhandene Daten noch besser zur Auswertung nutzen“, ist Michael Fryer überzeugt. 

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