Aktuelles rund um die Akademie Fresenius

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Moderne Technik und einfache Verbesserungen für schlanke Produktion, Transparenz und mehr Vertrauen

13. Produktionsleiter-Tagung der Akademie Fresenius in Dortmund diskutierte Blockchain, Operational Excellence und schnelle Hilfe durch Low Cost Automation

Traditionell starten viele Produktionsleiter der Lebensmittelbranche auf der Produktionsleiter-Tagung der Akademie Fresenius in das neue Jahr. So auch am 22. und 23. Januar in Dortmund. Praktiker, Wissenschaftler und Fachexperten diskutierten eine Reihe von kleinen und großen Problemen und Herausforderungen, die den Produktionsleitern auf der Seele liegen. In diesem Jahr stehen neue Blockchain-Lösungen zur Rückverfolgbarkeit und neue Möglichkeiten zur Automatisierung ganz oben auf der Liste der Gesprächsthemen. Aber auch nahezu klassische Herausforderungen bleiben auf der Agenda, denn im Mittelpunkt der Produktion bleibt auch in Zeiten von künstlicher Intelligenz und Automatisierung immer noch der Mensch. Die wichtigste Währung heißt in der Fertigung wie auf allen Stationen der Lieferkette: Vertrauen. 

Statistisch gesehen vertraut nur ein von vier Verbrauchern der Lebensmittelindustrie und -verarbeitung, ist Christian Schultze-Wolters von IBM Deutschland überzeugt. Seiner Ansicht nach muss die Industrie die Transparenz ihrer Prozesse verbessern und genauere Informationen über die Herkunft von Produkten und Zutaten bieten, wenn sie Vertrauen zurückgewinnen will. Hier kann die Blockchain-Technologie wichtige Unterstützung zur Rückverfolgbarkeit bieten. Sie macht es möglich, jede Art von Information in einer öffentlich einsehbaren Datenbank zu speichern. Das kann über Werks-, Hersteller- und Ländergrenzen hinweg die Transparenz erhöhen und permanente Rückverfolgbarkeit sicherstellen. 

Blockchain in der Lebensmittelindustrie: Vertrauen ist das Ziel, Vertrauen ist Voraussetzung

Schultze-Wolters stellte auf der Produktionsleiter-Tagung die neue Blockchain-Anwendung „Food Trust“ vor. Über Food Trust können angeschlossene Unternehmen auf verlässliche Daten der gesamten Nahrungsmittelversorgungskette zugreifen, vom landwirtschaftlichen Betrieb bis zur Filiale und letztendlich zum Verbraucher. Der gesamte Verlauf und der aktuelle Standort jedes einzelnen Produkts sowie zusätzliche Informationen wie Zertifizierungen, Prüf- und Temperaturdaten sollen nach dem Hochladen in die Blockchain innerhalb weniger Sekunden verfügbar sein. So kann „Food Trust“ in den Augen Schultze-Wolters durch den besseren Zugang zu Informationen für sicherere Lebensmittel, längere Haltbarkeit, reduzierte Verschwendung und schnellere Rückverfolgbarkeit sorgen. Vor allem könne das System die Lebensmittelhersteller dabei unterstützen, neue Standards für Transparenz und Vertrauen zu setzen, so Schultze-Wolters. 

Neues Denken entlang der Lebensmittelkette: Blockchain braucht Offenheit und Zusammenarbeit

Eine Blockchain kann eine bessere Datenqualität und mehr Transparenz bieten. Wenn Daten unverschlüsselt ausgetauscht werden sollen, verlangt sie jedoch, wie auch Lösungen auf Basis zentraler Datenbanken, von der Industrie und allen Akteuren Offenheit und Zusammenarbeit über Abteilungs- und Unternehmensgrenzen hinweg. Diese Transparenz kann zugleich Fluch und Segen sein, wie Mark Zeller vom Unternehmen fTRACE, das eine cloudbasierte Rückverfolgbarkeitslösung entwickelt hat, betonte: „Blockchain einführen heißt auch, zu reflektieren, welche und wie viele Informationen mein Unternehmen preisgeben kann und will.“ So existierten selbst bei weniger sensiblen Daten wie Palettenkontoständen und Tauschtransaktionen Befindlichkeiten. Viele Unternehmen scheuten die Datentransparenz, weil sie ungern wettbewerbsrelevante Informationen offenlegen.

Digitalisierung der Zettelwirtschaft ist auf vollständige Datensätze angewiesen

Mark Zeller berichtete von einem Pilotprojekt in der Logistik, das das fTRACE-Mutterunternehmen GS1 Germany im Frühjahr 2017 gemeinsam mit Unternehmen aus Handel, Industrie und Logistik gestartet hatte. Mit Hilfe der Blockchain-Technologie wurde ein standardisierter digitaler Palettenschein entwickelt. Für die Branche ist das ein Quantensprung, denn heute gehört der Palettenschein auf Papier noch zum Tagesgeschäft. Das erleichtert nicht nur die Arbeit an der Laderampe und im Backoffice, weil die Kontenabstimmung vereinfacht und die Saldenabrechnung automatisiert wird. „Das volle Potential der Blockchain entfaltet sich aber nur im Zusammenspiel mit anderen Technologien“, betonte Zeller. Zudem hat sich im Projekt gezeigt, dass es immer noch eine Notwendigkeit für eine vermittelnde Instanz gibt, die beispielsweise die Ausformulierung von Smart Contracts oder die Aufnahme neuer Netzwerkpartner koordiniert. Außerdem sollte initial immer der genaue Anwendungsfall analysiert werden, um sicherzustellen, dass die Blockchain-Technologie im konkreten Fall die richtige Technologiewahl ist und einen wirklichen Mehrwert liefern kann. Auch wird die Herausforderung mangelnder Datenqualität nicht durch die Blockchain-Technologie gelöst. „Die Blockchain ist kein Heilmittel für unzureichende Daten“, warnte er. Ohne korrekte und vollständige Datensätze könne auch die Blockchain-Technologie keinen Mehrwert stiften.

Low Cost Automatisierung bei Coppenrath & Wiese: Kleine Tricks mit großer Wirkung

Es müssen nicht immer neueste Blockchain-Technologie, künstliche Intelligenz oder Big Data-Auswertungen sein, die die Lebensmittelproduktion verbessern und effizienter machen. Manchmal erzielen auch kleine Tricks und Kniffe große Wunder. Das weiß Hans- Werner Ahrens, seit 2012 Betriebsleiter der Conditorei Coppenrath und Wiese, aus jahrelanger Erfahrung. Er ist überzeugt: „Auch in der Lebensmittelindustrie gibt es noch viele Automatisierungspotenziale mit einfachen Mitteln“. Roboter seien nur für einzelne Anwendungen die beste Lösung. Da sich die Lebensmittelindustrie durch eine große Bandbreite der Produkteigenschaften auszeichne, komme eine Vollautomatisierung in vielen Werken nicht in Frage. Viele Prozessabläufe mit geringem Komplexitätsgrad ließen sich aber mit wenig Aufwand optimieren – eben mit einfacher „Low Cost Automation“: einfachen „Life Hacks“, die Fehler vermeiden helfen und selbst keine großen Kosten oder Aufwand verursachen. Ahrens stellte viele Beispiele für Low Cost Automation aus dem eigenen Werk vor und gab den Tagungsgästen auch einen guten Rat, wie man auf Ideen für Verbesserungen kommt: „Auf Messen und im Internet nach cleveren Lösungen Ausschau halten“.

Bahlsen erweckt Operational Excellence aus dem Dornröschenschlaf

Operational Excellence (OpEx) galt für lange Zeit als Zauberformel für Produktionsleiter – auch in der Lebensmittelindustrie. Hinter dem Begriff steht die Ausrichtung eines Unternehmens auf Kundenbedürfnisse durch kontinuierliche und dynamische Optimierung sämtlicher Prozesse und Systeme entlang der Wertschöpfungskette im Sinne eines „Lean Managements“. Beim Familienunternehmen Bahlsen war die Bemühungen um Operational Excellence vor etwa vier Jahren in Folge von Restrukturierungen nahezu „eingeschlafen“, wie Karl Reichstein, Direktor Supply Chain bei Bahlsen, einräumte. Das Unternehmen hatte an Operational Excellence-Kompetenz in der Belegschaft verloren: „Ohne Struktur und Lean-Programmanagement versickert die Kompetenz und der Prozess kommt zum Erliegen.“ Reichstein hatte aber auch eine gute Nachricht im Gepäck: die versickerte Kompetenz lässt sich wiederbeleben. So ist es Bahlsen gelungen, mit Entwicklung einer neuen Supply-Chain-Strategie Operational Excellence zum neuen einheitlichen Produktionssystem zu etablieren. Anders als in der Vergangenheit setzte man weniger auf Schulungen, sondern mehr auf Coaching und Workshops, in denen die Mitarbeiter Veränderungen in ihrem eigenen Arbeitsbereich erleben konnten. Eine besondere Rolle für die Verbreitung der Lean-Philosophie spielten die Trainees als Schrittmacher für Operational Excellence: „Lean und Verbesserung muss man lernen. Trainees sind gute Botschafter und brauchen für spätere Führungsaufgaben diese Kompetenz ohnehin.“ 

Führungskräften, die in ihrem Unternehmen Operational Excellence neu zum Leben erwecken möchten, gibt Karl Reichstein einen Ratschlag mit auf dem Weg: „Ein nachhaltiger Lean Prozess braucht den klaren Willen der Führung, eine Struktur, ein Programm-Management und einen Steuerungsausschuss. Ist das alles nicht gegeben, wäre es besser, das ‚Dornröschen Operational Excellence‘ schlafen zu lassen.“

Produktionsleiter-Tagung 2021 in Dortmund

Der Termin für die 14. Produktionsleiter-Tagung im nächsten Jahr steht bereits fest: 2021 findet die Veranstaltung vom 20. bis 21. Januar statt (Anmeldung: www.akademie-fresenius.de/2810).

Weitere Informationen erhalten Sie bei:

Die Akademie Fresenius GmbH

Alter Hellweg 46
44379 Dortmund

Telefon  +49 231 75896-50
Telefax  +49 231 75896-53
E-Mail  freseniusakademie-fresenius.de 
www.akademie-fresenius.de


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