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Nahrungsergänzungsmittel: Herausfordernde Produktkategorie im unübersichtlichen Markt

Nahrungsergänzungsmittel

Nahrungsergänzungsmittel sind für viele Verbraucher fester Bestandteil ihrer Einkaufs- und Verzehrgewohnheiten geworden. Hersteller und Vertreiber dieser speziellen Produkte müssen sich besonderen Anforderungen unterwerfen. Am 26. und 27. September trafen sich Lebensmittel- und Pharmaexperten auf einer Fresenius-Fachtagung speziell zu Nahrungsergänzungsmitteln in Köln. 16 Fachvorträge beleuchteten Trends im Produktdesign, aktuelle Rechtsfragen und neue Herausforderungen bei Rohstoffauswahl und Freigabe.

Mehr als eine Milliarde Euro geben die Deutschen jährlich für Nahrungsergänzungsmittel (NEMs) aus. Der Markt bleibt in Bewegung. Zusatzpräparate in Form von Kapseln, Pastillen, Tabletten oder auch als Pulver oder Saft sind ein etablierter Bestandteil der gesunden Lebensführung. Allerdings sind die Verbraucher nicht immer gut und ausreichend über Sinn und Nutzen informiert. Verbraucherschützer sehen die Käuferinnen und Käufer in einem „NEM-Dschungel“ die Orientierung verlieren. Auf der Fresenius-Fachtagung präsentierte Angela Clausen die Forderungen der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Verbraucherschützer fordern „Gütesiegel für seriöse Hersteller“

NEMs sind Lebensmittel. Anders als Arzneimittel benötigen sie keine Zulassung, damit der Hersteller sie vertreiben darf. Mit der Frage „Lebensmittel oder Arzneimittel?“ seien viele Menschen aber überfordert, stellte Angela Clausen fest. Grund für die Verwirrung seien nicht nur schwer verständliche Angaben der Hersteller, sondern auch die Anordnung der Produkte am Point of Sale. Verbraucherschützerin Clausen fordert eine klare räumliche Trennung von Nahrungsergänzungsmitteln und Arzneimitteln im Handel. Außerdem wünscht sie sich von den Herstellern den klaren Verzicht auf Formulierungen, die an ein Arzneimittel erinnern, wie Anwendung, Dosierung und Zusammensetzung. Mittel- oder langfristig wäre in ihren Augen für Verbraucher wie für den Markt ein „Gütesiegel für seriöse Hersteller“ sinnvoll und wünschbar. Von der Politik fordert die Verbraucherzentrale bessere Überwachung und Kontrolle: zum Beispiel durch schnellere und bessere Produktwarnungen und die Einrichtung einer Meldestelle für unerwartete Wirkungen von NEMs.

Altersbeschränkungen können Anwendungssicherheit von Nahrungsergänzungsmitteln erhöhen

Hersteller von NEMs sehen sich zunehmend den Vorwürfen ausgesetzt, zu wenig Informationen zu möglichen Nebenwirkungen und Wechselwirkungen zu liefern. Ebba Loeck, wissenschaftliche Direktorin bei Queisser Pharma (Flensburg), nahm die Hersteller in die Pflicht: „Der Hersteller ist für die Sicherheit des Nahrungsergänzungsmittels verantwortlich.“ Gut durchdachte Hinweise könnten die Anwendungssicherheit erhöhen. Allerdings gebe es wenige Pflichthinweise für Lebensmittel, die stofflich relevant für NEMs seien. Zwar haben einzelne EU-Länder Pflichthinweise für NEMs festgelegt. Ebba Loeck würde aber EU-weite Regelungen, die wissenschaftlich begründet sind, den einzelstaatlichen Regelungen vorziehen. Als weiteres Instrument, um die Anwendungssicherheit hochdosierter NEMs zu verbessern, sieht sie wissenschaftlich begründete Altersbeschränkungen an. Diese würden aber noch sehr wenig genutzt.

Phytopharmaka als Alternative zu Botanicals: Hersteller fordern Freiverkäuflichkeit 

Während Phytopharmaka als pflanzliche Arzneimittel zur Heilung und Linderung und Verhütung von Krankheiten vorgesehen sind, dienen die Botanicals als pflanzliche Nahrungsergänzung vor allem der Gesunderhaltung. Botanicals sind anders als Arzneimittel frei verkäuflich. Allerdings sind zur Bewerbung nur gesundheitsbedingte Health Claims erlaubt. Die Bewertung von Botanicals ist in der EU noch sehr unterschiedlich geregelt. Eine gegenseitige Anerkennung fehlt, deshalb kommt es zu aufwendigen Einzelfallentscheidungen. „Die Zukunft der Botanicals ist ungewiss“, stellt Uwe Berlekamp, Chief Scientific Officer bei Merz Consumer Care fest. Eine Alternative zu den Botanicals sieht Berlekamp in den traditionellen Phytopharmaka (THMPD), die bei starker Indikation kommerzielle Erfolge erzielen. Die Verkehrsfähigkeit sei langfristig gesichert. Allerdings muss dazu die Freiverkäuflichkeit für pflanzliche Arzneimittel gesichert sein. Zur Erlangung dieser Freiverkäuflichkeit fordert Berlekamp von der Politik die „Einführung eines nachvollziehbaren, unabhängigen und fairen Verfahrens“. Zum Beispiel sollten traditionelle Phytopharmaka, die gemäß der Monographie des Ausschusses für pflanzliche Arzneimittel der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) mit einer „traditional use“-Indikation registriert sind, freiverkäuflich sein.

Qualitätsbemühungen zur Herstellung von Pflanzenextrakten besser für das Marketing nutzen

Auf eine von den Herstellern bisher noch unzureichend genutzte Chance für Botanicals wies Björn Feistel von Finzelberg, einem Hersteller von Pflanzenextrakten, hin: In die Bereitstellung von Pflanzenpulvern oder industriell aufbereiteten pflanzlichen Ausgangsmaterialien zur Extraktion werden umfangreiche Anstrengungen zur Qualitätsprüfung unternommen. Dieser Fakt sowie der enorme Aufwand in der Herstellung eines Pflanzenextraktes sind noch zu wenig auf Packungsmaterialien und in Gebrauchsinformationen illustriert und hervorgehoben. Hier sieht Feistel eine gute Chance für bessere Positionierung und Vermarktung von hochwertigen Botanicals. 

Fresenius-Fachtagung im Oktober 2017 bietet Wissens-Update zur Kennzeichnung von Lebensmitteln 

Auf einer weiteren Fresenius-Fachtagung zur "Kennzeichnung von Lebensmitteln" am 12. und 13. Oktober 2017 in Mainz bewerten Experten aus Lebensmittelrecht, -überwachung und -marketing die neue Lebensmittelinformations-Verordnung (LMIV): Was klappt bei der Umsetzung? Wo sehen Verbraucher und Behörden Verbesserungsbedarf? Wo gibt es Unklarheiten bei der Auslegung? Was wird sich ändern? Neben der Sicht auf aktuelle Rechtsprechung bietet die Tagung wichtige Hinweise zu Fallstricken der LMIV aus der Praxis. Dazu nehmen Vertreter aus Behörden wie aus Unternehmen Stellung. So geht es beispielsweise um die Kennzeichnung von vegetarischen und veganen Lebensmitteln und die Bewerbung mit dem „V-Label“. 

Terminankündigung:

4. Fresenius-Fachtagung "Nahrungsergänzungsmittel"

26. und 27. September 2018 in Mainz

www.akademie-fresenius.de/2541

Weitere Informationen erhalten Sie bei:

Die Akademie Fresenius GmbH

Alter Hellweg 46
44379 Dortmund

Telefon  +49 231 75896-50
Telefax  +49 231 75896-53
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