Aktuelles rund um die Akademie Fresenius

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Neue Methoden und neue Denkweisen in der Risikobewertung von Pflanzenschutzmittelrückständen

Am 4. und 5. April lud die Akademie Fresenius in Köln zur 15. internationalen Konferenz „Risikobewertung von Pflanzenschutzmittelrückständen in Lebensmitteln“ ein. Als Referenten konnte sie Vertreter der Europäischen Lebensmittelbehörde EFSA, aus der Industrie, aus Forschungsinstituten und Behörden in Deutschland, Österreich und den Niederlanden gewinnen. Die Experten diskutierten unter anderem neue Leitfäden der Europäischen Lebensmittelbehörde und die Durchführung von kumulativen Risikobewertungen. 

In Deutschland und in der EU erzeugte Lebensmittel sind selten mit zu hohen Rückständen an Pflanzenschutzmitteln belastet. Nur bei 1,1 Prozent der untersuchten Erzeugnisse wurden im Jahr 2015 Überschreitungen der Rückstandshöchstgehalte festgestellt. Die Untersuchungsergebnisse der Bundesländer, die das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) in der „Nationalen Berichterstattung Pflanzenschutzmittelrückstände in Lebensmitteln 2015“ veröffentlicht hat, bestätigen das seit Jahren niedrige Niveau. Trotzdem sieht sich die Industrie auf Grund neuer Testverfahren und nicht zuletzt auf Grund des gestiegenen Interesses der Verbraucher für Lebensmittelsicherheit vor der Aufgabe, die Rückstandshöchstgehalte (Maximum Residue Levels = MRL) so gering wie möglich zu halten. 

Herausforderungen bei der Bestimmung von Pestizidrückständen in Pollen und Honig 

Karsten Hohgardt vom BVL in Braunschweig berichtete über aktuelle Probleme zur Bestimmung von Pestizidrückständen in Pollen und Honig. Die aktuellste Fassung des Entwurfs einer europäischen Richtlinie zur Festsetzung von Rückstandshöchstgehalten in Honig stammt aus dem Jahr 2009. Hohgardt bedauert, dass die EU Kommission und ihre Mitgliedstaaten die Arbeit an diesen Richtlinien eingestellt haben. So hätte sie nie offiziell zur Verfügung gestanden, um Versuche zur Bestimmung von Rückstandsmengen in Honig durchzuführen. Zwar hat die Europäische Kommission im September letzten Jahres eine leicht aktualisierte Version vorgelegt. Die Erfahrungen der Vergangenheit haben aber gelehrt, dass der Inhalt der Richtlinie einer generellen Revision bedürfe, so Hohgardt. So fehlen in der Richtlinie Hinweise für Honigprodukte, die bereits auf dem Markt für Verbraucher verfügbar sind: zum Beispiel Honig mit Waben oder der Kittharz Propolis, der von den Bienen aus Baumharz gewonnen wird. Für die Bestimmung von Rückstandsgehalten kündigte Hohgardt an, dass die Europäische Kommission Möglichkeiten prüft, um Synergien mit Ergebnissen aus ökotoxikologischen Studien zu gewinnen.

In der Diskussion: toxikologische Relevanz von Metaboliten 

Anja Friel von der Europäischen Lebensmittelbehörde EFSA (Parma/Italien) stellte den neuen Leitfaden zur Rückstandsdefinition vor. Dieses EFSA-Dokument liefert vor allem Verfahrenshinweise zur Bewertung der toxikologischen Relevanz von Metaboliten. Mit Hilfe des Leitfadens lässt sich bestimmen, für welche Metaboliten eine Gefahrenermittlung und -charakterisierung (hazard identification and characterisation) sowie eine Risikoabschätzung für den Verbraucher notwendig ist.

Thomas Kuhl vom Bundesinstitut für Risikobewertung (Berlin) hat als Vorsitzender einer Arbeitsgruppe des „EFSA Panel on Plant Protection Products and their Residues“ (PPR) maßgeblich an der Erstellung des Leitfadens mitgewirkt. Auf der Konferenz der Akademie Fresenius widmete er sich ausführlich der Frage, wie sich die Relevanz von Metaboliten bestimmen lässt. Die Prinzipien der Bewertung von Metaboliten haben sich seit den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts nur wenig verändert. Dementsprechend werden mengenmäßig unbedeutendere Stoffwechselprodukte auf Grund des geringen Expositionspotenzials nur selten einer toxikologischen Bewertung unterzogen. Dies werde sich in Zukunft ändern, so Kuhl. Mittlerweile seien viele Fortschritte bei der Entwicklung von Methoden erzielt worden, die eine bessere Charakterisierung des Gefährdungspotentials von Metaboliten, etwa von deren Genotoxizität, erlauben – zum Beispiel mit Hilfe von QSAR-Analysen (Quantitative Structure-Activity Relationships) oder des Konzeptes des „Threshold of Toxicological Concern“ (TTC). Mit der Analyse des gesamten Metabolitenspektrums in Lebensmitteln und aller hierzu verfügbaren Informationen löse man sich in der Risikobewertung von einem starren Schwarz-Weiß-Denken und öffne sich für eine Herangehensweise, bei der auch die Beweiskraft der Daten und Unsicherheiten der Bewertung berücksichtigt werden. 

Sicht der Industrie auf den EFSA-Ansatz zur Gruppierung von Pestiziden in der kumulativen Risikobewertung

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit hat einen neuen Ansatz zur Gruppierung von Pestiziden entwickelt, die den Weg für die Anwendung der kumulativen Risikobewertung ebnen soll – ein Verfahren zur Bewertung des Risikos, das von der Exposition gegenüber Mehrfachrückständen von Pestiziden ausgeht. Die allgemeine Methodik für die Einordnung von Pestiziden in sogenannte kumulative Bewertungsgruppen (cumulative assessment groups – CAG) basiert auf der Ermittlung von Verbindungen, die in einem bestimmten Organ oder System ähnliche toxikologische Eigenschaften zeigen. Dazu wurde ein Software-Tool entwickelt, das zur Durchführung von Expositionsabschätzungen mehrerer Pestizide dient. In einer Pilotstudie wurden mit dem Tool Abschätzungen der Verbraucherexposition für Gruppen von Pestiziden vorgenommen, die sich auf die Schilddrüse und das Nervensystem auswirken können. Auf lange Sicht hofft die EFSA, schrittweise damit zu beginnen, kumulative Risikobewertungen im Rahmen der jährlichen Analyse chronischer und akuter Risiken für Verbraucher durch Pestizide einzubeziehen. Bei der Analyse werden von den Mitgliedstaaten erhobene Daten verwendet. Auf der Fresenius-Konferenz bewertete Stephanie Melching-Kollmuss von BASF (Ludwigshafen) die CAGs aus Sicht der Industrie. Aus ihrer Sicht sollten Substanzen nur auf Basis von substanzbedingten, adversen und humanrelevanten Effekten gruppiert werden. Eine genauere toxikologische Charakterisierung würde zu kleineren Gruppen führen. Auch sollten auf Basis geeigneter Kriterien und unter Berücksichtigung weiterer pathologischer und reproduktions-toxikologischer Expertise die Anzahl der Gruppen verkleinert werden. Da die Exposition gegenüber Rückständen so niedrig sei, stelle sich die Frage, ob Effekte, die nur bei hohen Dosierungen in Tierversuchen beobachtet werden, für eine kumulative Risikobewertung herangezogen werden müssen.

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