Aktuelles rund um die Akademie Fresenius

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Risikobewertung im Pflanzenschutz: Fortschritte durch Technik, Herausforderungen durch Kommunikationsprobleme

Behaviour of Pesticides in Air, Soil and Water

Bereits zum zwanzigsten Mal lud die Akademie Fresenius am 18. und 19. Juni zur internationalen AGRO-Konferenz „Behaviour of Pesticides in Air, Soil and Water“ für Pflanzenschutzexperten nach Mainz ein. Zwei Tage lang diskutierten Experten aus nationalen, europäischen, kanadischen und chinesischen Behörden mit Wissenschaftlern und Vertretern der Pflanzenschutzindustrie Herausforderungen und neue Entwicklungen bei Bewertung, Zulassung und Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Dazu hatte die Akademie Fresenius Experten aus Deutschland, EU-Ländern und Übersee gewinnen können.

Auf dem Programm stand ein Vergleich der Methoden und Ergebnisse aktueller Risikobewertungen auf nationaler und europäischer Ebene. Vertreter der Arbeitsgruppen der Europäischen Lebensmittelbehörde berichteten über den Stand der Harmonisierung von Bewertungsansätzen. Weiteres Thema waren Laborexperimente und Datenaustausch zur Anwendung von Glyphosat und Aminomethylphosphonsäure (AMPA). Außerdem diskutierten die Teilnehmer, ob und wie Sprühnebelabdrift in Risikobewertungen einbezogen werden kann. 

Neuer EFSA-Leitfaden für die Expositionsbeurteilung von Bodenorganismen 

Michael Stemmer von der österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) stellte den neuen Leitfaden für die Expositionsbeurteilung von Bodenorganismen gegenüber Pflanzenschutzmitteln (PEC Soil Guidance = Predicting Environmental Concentrations) der Europäischen Lebensmittelbehörde EFSA (European Food Safety Authority) vor. Dieser Leitfaden bietet eine Anleitung für Untersuchungen aller Arten von Konzentrationen, die benötigt werden, um ökotoxische Wirkungen zu bewerten: die Konzentration im gesamten Boden und die Konzentration im Porenwasser. Das empfohlene Expositionsbewertungsverfahren besteht aus mehreren Stufen. Um eine effiziente Nutzung des mehrstufigen Ansatzes in der regulatorischen Praxis zu ermöglichen, werden Software-Tools bereitgestellt. Für das nächste Jahr bereitet die EFSA Trainings und Webinare vor.

Pufferzonen individuell und effizient planen – Pestizidübertragungen verhindern

Nadia Carluer vom französischen Forschungsinstitut Irstea stellte das Online-Tool BUVARD vor. Mit diesem Tool lassen sich vegetative Pufferzonen planen, um den Transfer von Pestiziden aus benachbarten Parzellen zu begrenzen und somit die Präsenz von Pestiziden in aquatischen Gebieten insgesamt zu verringern. 

Mit Gras bewachsene oder bewaldete Streifen vermindern nachweislich Pestizidabflussübertragungen. Die Effizienz dieser Pufferzonen ist abhängig von der Anlage und Erhaltung und muss an den agronomischen, bodenkundlichen und klimatischen Kontext angepasst werden. Diese Berechnungen vereinfacht das Online-Tool BUVARD (BUVARD = Buffer strip runoff Attenuation and Pesticide Retention Design tool). Mit BUVARD lassen sich einfach Größen berechnen und Szenarien erstellen. „BUVARD macht es möglich, jede Pufferzone unter Berücksichtigung aller lokalen Eigenschaften so gut wie möglich zu gestalten“, ist Nadia Carluer überzeugt. BUVARD ist aufgrund der Verfügbarkeit von Niederschlagsdaten derzeit auf französische Inhalte beschränkt.

Auch zur Verminderung der Übertragung von Pestiziden durch Sprühmittelabdrift lassen sich Pufferzonen einrichten und online berechnen. Dazu hat Kanadas Regulierungsbehörde für Schädlingsbekämpfungsmittel einen Online-Kalkulator entwickelt, der den Anwendern genaue Einstellungen unter Berücksichtigung der Windgeschwindigkeit, Temperatur, Sprühqualität und Typ des Sprühgeräts liefert. John David Whall stellte den Kalkulator auf der Konferenz vor. Das Tool lässt sich im Web einfach mit dem Suchbegriff „Buffer Zone Calculator“ finden und kostenfrei nutzen. 

Fortschritt in der Abdriftreduzierung durch neue Technik

Neil Mackay von FMC Agricultural Solutions (Harrogate, Großbritannien) ist überzeugt, dass mittlerweile zahlreiche Möglichkeiten zur Verfügung stehen, um aussagekräftige Risikountersuchungen und effektive Maßnahmen zur Risikominderung bei der Sprühmittelabdrift festzustellen. Moderne Technik zur Abdriftreduzierung (SDRT: Spray Drift Reduction Technology) könnte seiner Meinung nach zur grundlegenden Anwendung werden. Voraussetzung dafür seien robuste Berechnungsmodelle, die zur Validierung auf große und detaillierte Datensätze zurückgreifen können. Heutzutage zeige die Erfahrung, dass Sprühnebelabdrift sehr gut gemanagt werden kann. Moderne Technologien zur Abdriftreduzierung können an Landschaften und lokale Bedingungen angepasst werden und kommen oft zum Einsatz. 

Herausforderung für effiziente Risikobewertung: Gute Kommunikation aller Beteiligten

Jos Boesten von der Universität Wageningen beschäftigte sich in seinem Vortrag mit der Herausforderung, Zielvorgaben für die Expositionsabschätzung (Exposure Assessment Goals ExAGs) zu definieren. Die Schwierigkeit liegt seiner Meinung nach darin, in der Risikoabschätzung die zwei Elemente „Wirkung“ und „Exposition“ richtig zu kombinieren. Das Grundproblem sieht er dabei in der Definition stimmiger Zielkombinationen aus Expositionsabschätzung und Wirkungsabschätzung. Die Fachleute für Ökotoxikologie und Wirkungsabschätzung sieht er dabei in unterschiedlichen Welten: sie argumentieren und arbeiten im Rahmen ihrer jeweils eigenen Definitionen und ihrer eigenen Ziele, was zu einer inkohärenten gesamthaften Risikobewertung führe. Diese Defizite in der Zusammenarbeit behindern Verbesserungen in der Risikobewertung für Organismen. „Bei Kommunikationsproblemen in der Risikobewertung liegt die Schuld immer bei alle Beteiligten – und nicht nur auf einer Seite“, so Boesten.

Als Brückenschlag, um die zwei Welten Exposition und Wirkungen einander anzunähern, schlägt Jos Boesten vor, im Rahmen des Risikobeurteilungsprozesses Arbeitsgruppen einzurichten, in der die gleiche Anzahl von Ökotoxikologie-Experten und Experten für die Beurteilung des Verhaltens von Pflanzenschutzmitteln vertreten sind. Gemeinsam könnten sie kohärente Pakete von Exposure- und Effect-Assessment-Zielen entwickeln. Der Impuls zur Zusammensetzung dieser Gruppen müsse aber vom Top-Management ausgehen. Der Bottom-up-Ansatz hat sich als unfähig erwiesen, das Problem zu lösen.

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