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Vom Hype zum Dauerbrenner?

Nahrungsergänzungsmittel

Fachtagung der Akademie Fresenius zu Cannabis-Extrakten, Nutrikosmetik und anderen Trends bei Nahrungsergänzungsmitteln

Für viele Deutsche sind Nahrungsergänzungsmittel ein Bestandteil einer gesunden Lebensweise. In Apotheken, Drogerien, Supermärkten und Online-Shops werden nicht nur Produkte mit Vitaminen und Mineralstoffen angeboten. Nahrungsergänzungsmittel mit Pflanzenstoffen, Aminosäuren, Probiotika und anderen sonstigen Stoffen gewinnen an Bedeutung. Einen Ausblick auf die Trends und Herausforderungen für Hersteller und Händler gab eine zweitägige Fachtagung der Akademie Fresenius am 26. und 27. September in Wiesbaden. Dazu hatte der Veranstalter 17 Expertinnen und Experten aus Industrie, Forschung und Behörden gewinnen können. 

Gespannt blicken die deutschen Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln nach Brüssel und Straßburg. Das neu gewählte europäische Parlament hat seine Arbeit aufgenommen, bald folgt die neue EU-Kommission unter ihrer Präsidentin von der Leyen. Peter Loosen, Geschäftsführer des Lebensmittelverbandes Deutschland und Leiter des Brüsseler Büros, gab einen Ausblick darauf, was die europäische Nahrungsergänzungsmittelbranche von der Politik erwarten darf. 

Neues aus Brüssel: Nachhaltigkeit wird wichtiger

Peter Loosen ist überzeugt, dass das Thema „Nachhaltigkeit“ eine zentrale Rolle in allen Politikbereichen spielen wird und empfahl den Unternehmen, ihre Agenden darauf auszurichten. Die neue Kommission wird sich nach Amtsantritt zudem mit vielen offenen Fragen und schwebenden Verfahren beschäftigen. So warten viele Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln weiter auf die Ergebnisse des Fitnesschecks zu „Botanicals“ und damit auf die Entscheidung der Frage, ob es zukünftig einen harmonisierten europäischen Rechtsrahmen für die Verwendung dieser Pflanzen und Pflanzenzubereitungen geben wird, der dann auch regeln soll, welche gesundheitsbezogenen Angaben für diese Stoffe verwendet werden dürfen. Noch gibt es dazu ganz unterschiedliche Vorstellungen und zum Teil auch unterschiedliche Regelungen in den Mitgliedstaaten.   Zudem ist die Kommission am Zuge, EU-weit einheitliche Höchstmengen für Vitamine und Mineralstoffe sowohl für Nahrungsergänzungsmittel als auch für angereicherte Lebensmittel festzulegen. Derzeit gibt es einen Flickenteppich nationaler Regelungen oder Leitlinien.

Abschließend verweist Loosen auf die gerade verabschiedeten Verordnungen zur gegenseitigen Anerkennung und zur Transparenz in der EU-Risikobewertungen, deren Praxisbedeutung sich erst noch erweisen muss. Das Prinzip der gegenseitigen Anerkennung bedeutet, dass Waren, die in einem Mitgliedstaat rechtmäßig in Verkehr gebracht worden sind, auch in allen anderen Mitgliedstaaten verkehrsfähig sein müssen. Die neue Verordnung soll diesem Grundsatz mit allerlei Hilfestellungen für die Unternehmen in der Praxis zum Durchbruch verhelfen. So sollen Produktinformationsstellen die Unternehmen unterstützen und Solvitstellen sowie die verstärkte Nutzung von IT-Technologie den Informationsaustausch und das Vertrauen zwischen den zuständigen Behörden verbessern. Mit der Verordnung zur Transparenz in der Risikobewertung soll allen Angriffen gegen die wissenschaftlichen Gutachten der EFSA begegnet werden, die sich auf eine intransparente Bewertungsgrundlage berufen. 

Gefordert: Finanzspitze für SOLVIT-Verfahren

Peter Loosen hofft, dass die gegenseitige Anerkennung nunmehr wirklich zur Regel wird und nicht Ausnahme bleibt und insbesondere die Selbsterklärung der Unternehmen und die vielfältigen Begründungs- und Transparenzpflichten der Behörden hierbei der entscheidende Faktor werden. „Mit der Selbsterklärung muss es gelingen, die Diskussion um den Umfang der Nachweispflichten zur rechtmäßigen Vermarktung zu beenden.“, so Loosen. Die Beratungsstellen des SOLVIT-Netzwerkes müssen sich seiner Meinung nach erst noch bewähren. Loosen fordert von der Kommission eine „massive Unterstützung, auch finanzieller Art“ und mehr Tempo bei Entscheidungen zu Zulassungsanträgen und Höchstmengen: „Die Kommission muss klar, schnell und orientiert an den Vorgaben der Rechtsprechung entscheiden, wenn sie angerufen wird“.

Im Trend: Clean Label-Nahrungsergänzungsmittel

Ebba Loeck, Wissenschaftliche Direktorin bei Queisser Pharma, warf mit den Konferenzteilnehmern einen Blick auf innovative Produktkonzepte und aktuelle Trends für Nahrungsergänzungsmittel. Zu den auffälligsten Neuheiten zählt sie die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsfaktoren bei der Produktgestaltung und im Marketing. Sogenannte „Clean Label“-Nahrungsergänzungsmittel seien im Online-Geschäft bereits stark nachgefragt. Auch der stationäre Handel und stationäre Marken zögen nun nach, so Loeck. Als Beispiele nannte sie „Pure Encapsulation“, eine Marke in der Apotheke, und die Online-Marke „Nature Love“, die auf Zusatzstoffe, Gelatine und Allergene soweit wie möglich verzichten.

Paradigmenwechsel im Drogeriemarkt: Gefragt ist das Besondere

Einen Paradigmenwechsel nimmt Ebba Loeck im Drogeriemarkt wahr. Das sachliche und nüchterne Anpreisen von Vitaminen und Mineralstoffen gehöre der Vergangenheit an. „Heute zählt nur das Besondere und Außergewöhnliche“, so Loeck. Statt auf lange Produktzyklen zu setzen, müssten die Drogeriemärkte immer schneller Neuheiten im Markt präsentieren – zum Beispiele Produkte, die in TV-Sendungen schnell bekannt werden. Nahrungsergänzungsmittel würden immer mehr zum „Lifestyle-Objekt“. Erkennbar sei das zum Beispiel an edler Verpackung, die ein Durchschnittsprodukt zur hochwertigen „Nutrikosmetik“ aufwerten. „Wenn die Verpackung wichtiger als der Inhalt wird, spielen ökologische Aspekte dann scheinbar keine Rolle mehr“ merkte Ebba Loeck kritisch an. 

Nahrungsergänzungsmittel aus Hanf: Kommt nach dem Hype der Fall?

Dr. Christiane Lerch vom Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt Stuttgart betrachtete Nahrungsergänzungsmittel aus Sicht der Überwachung und nahm u.a.  eine kritische Bestandsaufnahme des Angebots von Nahrungsergänzungsmitteln mit Cannabidiol (CBD-Öle) vor. „Kommt der Fall nach dem Hype?“ fragte sie mit Blick auf diese Produkte, die laut Hersteller unzulässiger Weise z.B. als schmerzstillend, beruhigend oder angstlösend beworben werden. CBD-Öle seien aus Sicht der Lebensmittelüberwachung nicht verkehrsfähig, auch nicht unter der Bezeichnung „Aromaöle“. Viele seien aufgrund des Gehaltes an THC gesundheitsschädlich oder nicht zum Verzehr geeignet.  

Nahrungsergänzungsmittel-Tagung 2020 in Mainz

Der Termin für die Akademie Fresenius-Tagung "Nahrungsergänzungsmittel" im nächsten Jahr steht bereits fest: 2020 findet die Veranstaltung vom 29. bis 30. September in Mainz statt (Anmeldung: www.akademie-fresenius.de/2776).

Weitere Informationen erhalten Sie bei:

Die Akademie Fresenius GmbH

Alter Hellweg 46
44379 Dortmund

Telefon  +49 231 75896-50
Telefax  +49 231 75896-53
E-Mail  freseniusakademie-fresenius.de 
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