Aktuelles rund um die Akademie Fresenius

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Natur und Ethik als Wachstumstreiber

Achte Fresenius Kosmetika-Tagung erkundete Trends und Strategien für einen gesättigten und schnelllebigen Markt

Am 19. und 20. März lud die Akademie Fresenius nach Mainz zur achten Fresenius Kosmetika Tagung, dem Branchentreff für Qualitätsmanager und Experten aus Forschung und Entwicklung. An zwei Tagen diskutierten Experten aus Unternehmen, Forschung und Behörden, was die Branche bewegt.

Aktuelle Testergebnisse von Stiftung Warentest standen ebenso zur Diskussion wie die rechtliche Bewertung der „Frei-Von“-Versprechen und ihre Bedeutung für das Marketing. Darüber hinaus gab der Kongress Einblicke in zukünftiges Konsumverhalten und stellte die Möglichkeiten des „psychophysiologischen Assessments“ für die Produktentwicklung vor.

Hohe Flop-Rate bei Kosmetik-Neueinführungen

Etwa 13 Milliarden Euro gaben die Deutschen 2018 für Kosmetika und Hauptpflegemittel aus. Die Marktaussichten sind weiterhin positiv, aber die Hersteller müssen sich auf Umbrüche, wachsenden Wettbewerb und vor allem auf ein Umdenken der Kunden einstellen. Darauf wiesen viele Experten in ihren Vorträgen hin. Rainer Wohlfahrt, der früher bei den Kneipp-Werken die Forschung und Entwicklung verantwortete und heute Kosmetikfirmen berät, machte zum Beispiel deutlich, wie schwer es die Anbieter haben, sich mit neuen Produkten im Handel durchzusetzen: „Sechzig bis 80 Prozent aller Neueinführungen in Deutschland sind ein Jahr später wieder aus den Regalen verschwunden.“ Zu den hohen Flop-Raten und kurzen Lebenszyklen der Produkte kämen der kontinuierliche Margenverfall als Belastungen für die Markenhersteller hinzu. Zudem setzen viele Drogerieketten auf das Kopieren erfolgreicher Konzepte durch Eigenmarken.

In diesem volatilen und umkämpften Marktumfeld sieht Rainer Wohlfahrt für Markenhersteller der Kosmetikbranche aber auch Chancen, wenn sie „sich neue Regeln und Maßstäbe setzen“ und auf Wandel im Verbraucherverhalten rechtzeitig und konsequent reagieren. Als wegweisende Trends macht er zum Beispiel Minimalismus in Verpackungsfragen und ganzheitliche Ansätze in der Kosmetik aus.

Kosmetikmarken punkten mit ethischen Aussagen

Branchenkennerin Elfriede Dambacher beobachtet, wie der Klimawandel und ethische Fragestellungen den Kosmetikmarkt verändern: „Die Verbraucher werden immer sensibler für die Nebenwirkungen chemisch-synthetischer Pflegeprodukte und fragen vermehrt natürliche und biologische Kosmetikprodukte nach.“ Auch das Schönheitsideal verändert sich: „Schönheit wird individueller. Brüche sind erlaubt und erwünscht. Anders sein heißt heute: ‚Schön sein‘.“ Ethische Aspekte erreichen deshalb höchste Aufmerksamkeit. Sie werden Umfragen zufolge für Verbraucher wichtiger als ökologische Verträglichkeit und der Preis. Probleme bei der Kommunikation ethischer Aspekte ergeben sich für die Hersteller durch Unübersichtlichkeit im „Label-Dschungel“ für Ethik und Nachhaltigkeit. 

Wachstumstreiber Naturkosmetik

Naturnahe und Naturkosmetik sind die Wachstumstreiber im Markt. So seien die Umsätze mit Natur- und Biokosmetik im vergangenen Jahr um fast sechs Prozent gestiegen, der Umsatz mit klassischer Kosmetik konnte dagegen nur Steigerungen von 0,5 bis 1,8 Prozent aufweisen. „Die Kosmetikindustrie setzt vermehrt auf Themen wie gerechte Handelsbedingungen beim Wareneinkauf (Fair Trade), Nachhaltigkeit und im globalen Markt auf Kosmetik ohne Tierversuche“, so Dambacher vom Beratungsunternehmen naturkosmetik konzepte.

„Technical Document“ der EU Kommission zur Kosmetika-Werbung tritt im Juli in Kraft

Viel diskutiertes Thema auf der Fresenius Kosmetika Tagung war der richtige Umgang mit „Frei von“-Aussagen in der Werbung. Zusätzlich zu der „EU-Claims-Verordnung“, die Kosmetikhersteller zu wahrheitsgetreuen und belegbaren Aussagen in der Werbung verpflichtet, hat die Europäische Kommission 2017 ein „Technical Document“ ergänzt. Diese Leitlinie ist ab Juli 2019 anwendbar. Sie ist zwar rechtlich nicht bindend, aber sie dient Behörden und Gerichten mit vielen Beispielen als Auslegungshilfe. 

Hohe Rechtsrisiken in der Werbung für Bio- und Naturkosmetik

Für Anbieter von Natur- und Biokosmetik bringt das neue Technical Document wenig Klarheit, wie Rechtsanwalt Jan Peter Heidenreich beklagte. Nach wie vor gebe es für die Auslobung als Natur- und Biokosmetik weder Vorgaben auf EU-Ebene, noch nationale gesetzliche Regelungen in Deutschland. Er empfiehlt Herstellern, sich bei der Werbung am allgemeinen Irreführungsverbot der europäischen Kosmetik-Verordnung zu orientieren. Tendenziell stelle die Rechtsprechung sehr hohe Anforderungen an Naturkosmetik. Deshalb berge die Verwendung der Bezeichnungen „Naturkosmetik“ oder „Biokosmetik“ erhebliche Risiken. Diese könnten durch Einhaltung anerkannter Standards zwar gemindert, aber nicht beseitig werden. 

Objektiv Emotionales Assessment: Gefühle messen und Wellness-Claims absichern 

Wirtschaftspsychologe Ralf Stürmer von der privaten FOM Hochschule für Ökonomie und Management (Essen), empfiehlt den Herstellern von Wellnessprodukten wie Badezusätzen oder Pflegeduschen, die Wirkweise durch psychophysiologische Messungen zu belegen. Das psychophysiologische Verfahren erfasst emotionale und kognitive Prozesse während der Nutzung eines Produkts – zum Beispiel durch Aufzeichnung der Blickbewegungen (Eye-Tracking) oder Messung der Veränderungen des Stresshormons Cortisol. So lasse sich zum Beispiel die konzentrationsfördernde Wirkung bei Raumdüften oder die Wirkung von Massageölen auf die Nackenmuskulatur nachweisen. Ein „Objektives Emotionales Assessment“ (OEA) zeichnet sich für Ralf Stürmer durch „extrem geringe Verfälschbarkeit“ und „hohe Validität“ aus. So sei es möglich, psychische Vorgänge bei Nutzung eines Produkts objektiv zu nutzen und die Daten in Echtzeit zu erfassen. 

Panthenol und Bisabolol ohne Einfluss auf den Sonnenschutzfaktor

Nicole Braun von DermaTronnier, einem Institut für experimentelle Dermatologie, stellte Studien zur Wirkung entzündungshemmender Wirkstoffe in Sonnencremes vor. Viele Hersteller werben mit diesem Zusatznutzen für ihre Sonnenschutzmittel, die zum Beispiel den antiphlogistischen Zusatzstoff Bisabolol oder das Provitamin Panthenol enthalten. Der Einsatz dieser Stoffe war in Frage gestellt worden, weil die Stoffe im Verdacht standen, sich negativ auf den Sonnenschutzfaktor auszuwirken. Dieser Verdacht hat sich nun in Experimenten mit Probanden als unzutreffend erwiesen, wie Nicole Braun bestätigte: „Die Untersuchungen deuten darauf hin, dass durch den Zusatz von antiphlogistischen Substanzen in niedrigen Konzentrationen in Sonnenschutzmitteln keine wesentliche Beeinflussung des Lichtschutzfaktors zu erwarten ist.“ Somit bestehe bei diesen Rezepturen keine Gefährdung der Konsumenten durch eine Überbewertung des Lichtschutzfaktors.

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